Was brauchen Wandersfrau und -mann?

Veröffentlicht von Schrat am

Wandern. Das kann ja jeder. Schuhe an und loslaufen. Streng genommen braucht es nicht einmal die Schuhe, barfuß laufen geht schließlich auch. Aber man kann sich das Leben leichter machen:Mit anständigen Schuhen, einem passenden Rucksack und der ein oder anderen Kleinigkeit am Körper oder im Gepäck wird es leichter, angenehmer, kraftsparender und sicherer.

Die Schuhe:

Wer mag, kann einfach in seinen Sneakern oder Turnschuhen loslaufen. Sie sollten nur gut passen. Sobald die Wege jedoch felsiger und unwegsamer werden, wir über Wurzeln steigen oder kurze Passagen hinauf und hinab kraxeln müssen, ist ein fester, gut sitzender Wanderschuh Pflicht. Ein fest um den Knöchel sitzender Schaft bewahrt euch vorm Umknicken, wasserdicht sollten sie eh sein. Es gibt kaum etwas Fieseres als nasse Füße und noch drei Kilometer laufen müssen. Wer es leichter mag und auch bloß mit leichtem Gepäck reist, kann auch zu Halbschuhen greifen. Denn ein stabiler fester Schuh stützt beim Gehen und vor allem auch Tragen des womöglich schweren Rucksacks, doch bringt er auch stabiles Gewicht mit sich.

Die ollen Schuhe, ausgelatscht und ausgenudelt.

Mein erstes Paar Wanderschuhe habe ich mir im Frühjahr 2009 gekauft. Mein Budget als Student war schmal und so habe ich mir ein günstiges Paar bei Decathlon für einen Trip durch Irland gekauft. Im Laden passten sie, ein beratender Mitarbeiter war gerade nicht da, also habe ich sie genommen. Rückblickend betrachtet war das nicht sehr klug. Denn auch wenn diese Schuhe mich nun fast acht Jahre lang getragen haben, so haben sich Sparsamkeit und Eile gerächt: Mit unzähligen Blasen, Druckstellen und bei der Tour durch die schottischen Highlands regelrecht offenen Füßen habe ich im Nachhinein draufgezahlt.

Nun habe ich mir vor kurzem das erste Mal anständige Wanderschuhe besorgt. Sie haben zwar locker das Dreifache der alten gekostet, aber schon nach dem ersten ausgedehnten Spaziergang mit Mio weiß ich – ja, ich will. Nach intensiver Beratung (und einem Umtausch, weil die erste Wahl doch zu klein war, danke, Basislager Karlsruhe) und vielen Euros habe ich Schuhe, bei denen einfach alles passt.

Was bei Wanderschuhen wichtig ist: Kurz vorab – ich bin interessierter Laie, der eine Menge gelesen und viel Zeit in diversen Outdoorshops, online wie offline, verbracht hat. Ein erfahrener Wanderführer oder eine kompetente Beraterin in einem Fachladen wissen euch viel detaillierter und fundierter zu beraten. Was ich bislang gelernt habe: Wanderschuhe müssen fest um den Knöchel und die Ferse sitzen. Der Ballen und die Zehen brauchen Platz. Nehmt die Einlegesohle heraus und stellt euch darauf, die Ferse muss ganz hinten anliegen. Ist dann nach vorn etwa eine Daumenbreite Platz, haben eure Zehen genügend Freiheit. Wichtig beim Bergab-Gehen, sonst habt ihr wunde Zehen. Dass sie stets fest geschnürt sein sollten, versteht sich von selbst.

Leder oder Mischgewebe?

Das hängt davon ab, wie viel Arbeit und Zeit ihr auch in eure Schuhe investieren wollt. Mischgewebe wie Gore-Tex mit Wildleder ist pflegeleicht und wasserdicht, mit Pflegespray und etwas Bürsten habt ihr schon lange Freude an den Schuhen.

Reine Lederschuhe passen sich aufgrund des natürlichen Materials noch besser an, sind von sich aus aber nicht wasserdicht und brauchen entsprechende Vorbereitung mit Wachs, Fett und ähnlichem. Auch braucht das Leder solche Pflege, um geschmeidig zu bleiben.

Ich hingegen bin mit den Mischgewebe-Schuhen vollkommen zufrieden.

Der Rucksack:

Das Wichtigste beim Rucksack: Er muss passen. Das heißt der Abstand zwischen Schulterriemen und Hüftgurt muss eurer Rückenlänge entsprechen. Einfach anprobieren, wie andere Kleidungsstücke auch. Die Schulterriemen sollten so weit auseinander oder nah aneinander liegen, dass sie nicht im Nacken scheuern und der Hüftgurt muss oben den Hüftknochen umschließen.

Der Rest ist Geschmackssache, finde ich. Ob nun mit dick gepolstertem Hüftgurt, wie schmal oder breit, das solltet ihr selber wissen und dem jeweiligen Zweck anpassen. Für eine Tagestour reicht ein kleiner Tagesrucksack mit bis zu 30 Litern Volumen. Der Hüftgurt hat bei den meisten Modellen keine tragende Funktion, sondern dient lediglich dazu, den Rucksack fester auf den Rücken zu binden, sodass er nicht herumwackelt.

Sobald der Rucksack größer und die Tour länger wird, ist der Hüftgurt extrem wichtig: Mit ihm verlagert ihr das meiste Gewicht von euren Schultern auf die Hüfte, näher an die Körpermitte und den Körperschwerpunkt – ganz wichtig für die Balance und die Ausdauer.

Meiner Erfahrung nach genügen folgende Größen:

  • Tagestour: bis maximal 30 Liter Volumen.
  • Zwei- bis Drei-Tagestour und Hüttentouren: 40 bis 50 Liter.
  • Mehrtagestouren mit Camping: 65 oder mehr Liter Volumen.

Einen Regenüberzug sollte der Rucksack haben, eingebaut oder man steckt ihn so ein.  Nehmt lieber einen etwas kleineren als einen zu großen Rucksack mit. Wer viel Platz im Rucksack hat, schleppt letztendlich immer auch mehr: „Nimmst du das noch? Du hast doch noch Platz!“

Generell heißt es, dass das Gewicht des Rucksacks nicht mehr als 15 bis 20 Prozent des eigenen Körpergewichts ausmachen sollte. Bei mir wären das 15 bis 20 Kilo. Durch die Highlands hatte ich über zehn Tage hinweg zwischen 20 und 26 Kilo auf dem Rücken, mit Zelt, Koch-Geschirr und allem was dazu gehört. Auch das geht, aber mit leichterem Gepäck macht es mehr Spaß.

Die Kleidung:

Das kannse halten wie ein Dachdecker. Erlaubt ist, was gefällt. Nur passen sollte es vielleicht.

Aber auch bei der Kleidung gilt: Man kann sich das Leben sehr viel angenehmer machen, wenn man drüber nachdenkt, was man anzieht. Prinzipiell sollten die Klamotten stets Wind und Wetter angepasst sein, wer im Winter loszieht oder im Frühjahr/Herbst in die Höhe steigt, sollte entsprechend mehrere Lagen Kleidung an oder zumindest dabei haben.

Outdoor- und Sportkleidung ist eine Wissenschaft für sich, und ich bin kein entsprechender Wissenschaftler, daher gehe ich hier nicht in die Tiefe was Materialien, Hard- und Softshells etc. angeht. Aus meiner Erfahrung heraus nur ein paar Tipps:

Socken. Socken sind fast ebenso wichtig wie die Schuhe. Investiert ein paar Euro mehr und eure Füße werden es euch danken. Sie sollten an Zehen, Ballen und Ferse gepolstert sein und stramm sitzen, damit sie im Schuh nicht verrutschen.

Es muss passen. Und darf nicht scheuern. Wer sich schon einmal einen Wolf gelaufen hat, wird das bestätigen. Und mit einem Wolf noch drei Tage weiterlaufen kratzt auch etwas an der Laune, Babypuder hilft auch nur bedingt.

Leicht und schnell trocknend. Nach einem Regen oder einem Ausrutscher bei einer Bachquerung sollten Hose, Shirt und Jacke schnell wieder trocken sein, sonst holt ihr euch schnell was weg. Je leichter die Kleidung, desto angenehmer ist sie im Rucksack. Spätestens bei Mehrtagestouren sollten Jeans und Hoodie Zuhause bleiben und Trekkinghose, Fleece-Jacke und Funktionsshirts eingepackt werden. Die kann man abends auch mal schnell waschen, bis zum nächsten Morgen sind sie wieder trocken.

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Schrat

Wanderschreiber