Ach du Scheiße, Gewitter!

Veröffentlicht von Schrat am

Solche Gewitter haben wir bislang nur aus der Ferne erlebt. Foto: Michael Hoffmann, wetterprognose-wettervorhersage.de//CC-Lizenz

Kilometerhohe Wolkentürme über schroffen Gipfeln, Blitze zucken durch den düsteren Himmel, der Wind zerrt an der Regenjacke – in Sachen Wetter gibt es wohl kaum Beeindruckenderes als ein Gewitter in den Bergen. Mittendrin sein möchte man als Wanderer oder Bergsteiger aber auf keinen Fall. Aber was tun, wenn die grauen Wolken schneller sind, als einen die Beine tragen?

Zunächst ist Vorbereitung besser, als ein Gewitter aussitzen. Heute gibt es mehr Wetterdaten als je zuvor und online sind unglaublich viele verfügbar. Neben den üblichen Wetterberichten in Funk und Fernsehen bieten Seiten wie die des Alpenvereins konkrete Wettervorhersagen für Bergregionen.

Da Wetter in den Bergen sich extrem schnell ändern kann oder die Wolken an einem Gipfel fünf Kilometer neben einer Wetterstation schon deutlich anders aussehen können, helfen Webcams weiter. Einfach Gipfel, Hütte und Wetter googeln und sich selbst einen Eindruck machen.

Darüber hinaus gilt generell: Im Hochsommer, besonders an Juli-Abenden, ist die Gewitterwahrscheinlichkeit deutlich höher als in anderen Monaten. Bei langen Touren ist es ratsam, früh aufzubrechen, um das Ziel zu erreichen, ehe die Gewitter losgehen.

Der Blick sollte beim Wandern stets immer mal wieder in den Himmel gehen, damit ihr mitbekommt, ob sich das Wetter verändert. Mit ein bisschen Wissen lassen sich vorsichtige Prognosen wagen, wie sich diese oder jene Wolke weiterentwickeln wird. Das Schweizer Bundesamt für Meteorologie hilft mit einer Handreichung weiter. Generell gilt: Wolkentürme sind ein ziemlich sicheres Zeichen für Gewitter.

Alles schön und gut, doch was tun, wenn’s knallt?

Wenn die Gewitterwolken hinter euch her sind und es sind nur noch 15 Minuten bis zur Schutzhütte, sputet euch. Auf der Hütte ist jedes Gewitter angenehmer.

Keine Gewitterwolken, nur jede Menge Regen über dem Heiterwanger See.

Keine Gewitterwolken, nur jede Menge Regen über dem Heiterwanger See.

Wenn der nächste Unterschlupf weit weg ist, heißt es aussitzen. Auf keinen Fall höher steigen, runter vom Gipfel oder von Graten. Da steht man dann nämlich wie ein kleiner Blitzableiter rum. Blitze sind Strom, Strom sucht stets den geringsten Widerstand und der Widerstand des menschlichen Körpers auf den letzten Metern zum Boden ist geringer als der Widerstand der Luft.

Im Tal ist es somit sicherer als am Berg. Lässt sich das Tal nicht mehr rechtzeitig erreichen, sucht euch eine Fläche mit möglichst großem Abstand zu freistehenden Bäumen, Gewässern und Strommasten.

Auch viel Regen, aber kein Gewitter am Jungfraujoch, Mönch und Eiger.

Auch viel Regen, aber kein Gewitter am Jungfraujoch, Mönch und Eiger.

Dort macht euch klein und hockt euch auf eine isolierende Unterlage, wie den Rucksack oder eine Isomatte. Schmeißt große Metallstücke wie Trekkingstöcke weit von euch. Und dann warten.

Wenn ihr festsitzt oder das Gewitter einfach unfassbar schnell über euch ist, kann es schnell richtig ernst werden. Sobald metallene Pfosten oder Drahtseile surren und „singen“ und euch womöglich schon die Haare vor statischer Elektrizität zu Berge stehen: Rennt so schnell ihr könnt und schmeißt alles aus Metall von euch. All das sind Anzeichen für einen unmittelbar bevorstehenden Blitzeinschlag. Hockt euch auf die Zehenspitzen und dann Daumen drücken.

Unterschlupf suchen?

Klar ist ein Unterschlupf hilfreich und vor allem angenehmer als ein Gewitter auf dem freien Feld. Felsvorsprünge helfen allerdings nur, wenn sie tief genug sind und dem Wind abgeneigt liegen.

Wurzelballen von umgestürzten Bäumen sind kein, ich wiederhole, KEIN guter Unterschlupf. Die Bäume können zurück in ihre ursprüngliche Position fallen und Menschen darunter begraben, erst recht, wenn man am Ballen rumbuddelt oder starker Regen ihn unterspült.

Doch keine Panik:

Vorsicht, Umsicht und Wissen helfen, damit niemand in so eine Situation kommen muss. Generell gibt es zahlenmäßig nicht viele Tote durch Blitzeinschläge: Zwischen 1980 und 2014 sind 277 Menschen durch Blitze gestorben, das macht etwa acht pro Jahr.

Das klingt viel, aber angesichts der vielen Menschen, die durch die Berge wandern, biken, klettern und steigen und der doch zahlreichen Gewitter ist es keine beängstigend hohe Zahl.

Selbst wenn man in, also wortwörtlich in einer Gewitterwolke am Berg sitzt, kann man das überstehen. In der Facebook-Gruppe „Bergsüchtig“ schilderte ein Mitglied, wie seine Gruppe unter einem Felsvorsprung das Gewitter ausharrte – ohne Blitzeinschläge, nur mit dem unfassbar lauten Donner. Vermeiden sollte man diese Situation also dennoch.

Anmerkung des Autors:

Wir sind glücklicherweise noch nie in ein Gewitter geraten. All diese Tipps und Ratschläge sind daher nicht praxiserprobt, sondern angelesenes Wissen aus Veröffentlichungen des Alpenvereins und diverser Outdoor-Seiten sowie -Magazine.

Den Tipps von dort traue ich aber – das meiste ist schließlich Physik und wer in der Schule ein bisschen aufgepasst hat, kann die Idee dahinter nachvollziehen: Alles meiden, das Strom besser leitet als der menschliche Körper, alles meiden, das höher und somit näher an den Blitzen ist. Eigentlich ziemlich logisch.

Schlechtwetter haben wir natürlich kennengelernt, Blitze und Donner bislang immer nur aus der Ferne oder von der sicheren Unterkunft aus.

 

 

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Schrat

Wanderschreiber