Lago di Enttäuschung

Wenn du von Südtirol nach Slowenien, aber keine fünf, sechs Stunden fahren willst, dann musst du irgendwo stoppen. Wir haben uns dafür den Gardasee ausgesucht, weil soll ja schön sein und so. Weshalb sonst sollten Jahr für Jahr zigtausend Deutsche den südlich der Alpen gelegenen See besuchen?

Orte, die klingen wie eine gute Flasche Rotwein

Als wir uns immer weiter von Dolomiten und Co. entfernen – oder sie sich von uns? – werden wir gleich wehmütig. Nur die Straßenschilder können uns aufheitern. Straßenschilder mit Ortsnamen, die klingen wie eine gute Flasche Wein: Bardolino, Valpolicello, Chianti.

Selbigen könnten wir nach unserer Ankunft in Mengen gebrauchen. Der Campingplatz ist gerammelt voll, Mallorca zwei, Deutsche, mehr Deutsche, ein paar Holländer. Dabei haben wir uns schon einen der kleineren Plätze ausgesucht.

Unser Stellplatz liegt am Eingang von Camping del Palme. Dort, wo Animateure ins Mikro brüllen und abends Trance und Schlager an der Bar gespielt werden.

Um uns herum: Weg, eine Ameistenstraße, ein verwaistes Dauercamperzelt, Einfahrt.

Das Bändchen zeigt: Wir gehören jetzt zum Club

Wir bauen trotzdem auf, schwitzen 2.000 Kalorien weg und gehen dann zum See. Aber halt, dafür brauchen wir noch ein Zugangsbändchen. Kann ja nicht angehen, dass jemand vom Strand einfach zu uns auf den Campingplatz gelangen könnte. Von der Straße aus ist das aber natürlich kein Problem.

Also gut, haben wir jetzt also zwei Bändchen am Arm. Das andere ist rosa,wie ein Festivalbändchen, vom Verschluss unlesbar zusammengedrückt steht da „Camping del Palme“. Wir gehören jetzt zum Club. Club del Deutsche. Also verhalten wir uns auch so, Badesachen an und Bier in die Hand.

Die Kapitulation

Der See ist braun, schlammig, warm, doof. Mio will immer noch nicht schwimmen (er weiß nicht, dass er das kann), und wir nicht mehr. Wir panieren uns noch schnell mit Sand, dann wollen wir zurück, duschen.

Am Platz haben die Ameisen Mios Kau-Ring aus Hühnchenhaut gekapert. Er guckt mich flehend an, ich Spüle Ameisen in den Tod und denke, dann kann ich ja auch gleich ’n Steak essen. Mir reicht’s. Wir kapitulieren, der Lago di Enttäuschung hat gewonnen. Am Mittwoch geht’s schon weiter nach Slowenien.