Wenn der Bus nicht fährt

Veröffentlicht von Fee am

Es gibt nur wenig verheißungsvollere Wörter als „Urlaub“. Urlaub klingt weich und nach Wärme, nach einem leichten Wind und frei von Negativem. Maximal ein leichtes Brennen auf der Haut wie von zu viel Sonne ist drin.

Urlaub klingt jedenfalls nicht nach Ärger und Frust. Oder nach Sturm und kaputt.

Auch wenn jeder weiß, dass all das auch im Urlaub seinen Platz hat.

Urlaub, so definiert Google ganz nüchtern, ist „die Zeit, in der man nicht arbeiten muss“. Würden die meisten von uns sicher so unterschreiben.

Aber gilt als „arbeiten“ auch Zelt auf- und abbauen? Vielleicht.

Gilt: Die vom Sturm in alle Himmelsrichtungen verteilten Stangen des Pavillons wieder einsammeln als „arbeiten“? Bestimmt! Und Matratzen aus dem kaputten Bus raus und über den Mietwagen rein ins neue Zelt hieven sicher auch.

Stefan und Käthe haben also keinen Urlaub gemacht.

Als der Bus noch heile war, war auch der Urlaub noch Urlaub.

Stefan und Käthe haben mit ihrem Bus gekämpft, der auf einmal nicht mehr anspringen wollte, auf einem Supermarktparkplatz in Bled, Slowenien. Haben ein neues Zelt für über 100 Euro kaufen müssen, haben im Pavillon schlafen müssen, haben eben diesen Pavillon später in den Müll schmeißen müssen – Sturm -, haben tagelang auf die Reparatur ihres Busses warten müssen.

Im Sturm war nicht nur der Pavillon kaputt gegangen (gut, dass vorher sowieso schon das Zelt gekauft worden war, wohin sonst?). Das Zelt flog auf den Weg, es war wohl nicht viel drin. Und alles, was in offenen Koffern im Pavillon gewesen war, flog mit: Badesachen, Handtücher, Kleider, Unterhosen.

Wunderbare Camper-Nachbarn sammelten alles auf, versuchten im Gewitter zu retten, was möglich war, denn: Käthe und Stefan selbst waren gar nicht da. Sie hingen, wie zuvor schon mit dem Bus, fest. Mit einem gemieteten Boot auf der kleinen Insel im See Bled. Romantisch? Geht.

Die Lust am „Urlaub“ war beiden danach so ziemlich vergangen. Allein: Der Bus fehlte, um alle noch vorhandenen Zelte abzubrechen.

Ohne Mio würden wir diese Geschichte gar nicht kennen

Alfred, der riesige Mix aus wahrscheinlich tausend verrückten Rassen, war einfach genau wie Mio.

Immerhin behielt die slowenische Werkstatt, die das kaputte Ersatzteil für den US-amerikanischen Bus einfach selbst nachbauen wollte, recht. Am Montag nach dem Sturm-Wochenende fuhr er wieder – und alle drei mit ihm heim nach Nordrhein-Westfalen.

Kennengelernt hat eigentlich als allererstes Mio Alfred, Käthes und Stefans Hund.

Wir waren gerade in Bled angekommen, ich hab die erste Runde mit Mio über den Platz gedreht, mal schauen, wer hier so alles wohnt, da haben sie angefangen, sich zu hassen.

Spinnefeind, mit bellen, an der Leine reißen, knurren. Allerdings nur so lange, bis wir die beiden am zweiten Tag sich einfach mal näher haben untersuchen lassen.

Und dann haben sie getobt, getobt, getobt, endlos, wenn wir nicht irgendwann mal Schluss gesagt hätten. Beide jung und wild und ohne Ermüdungserscheinungen, beide bisschen bekloppt, beide Angst vorm Wasser.

 

Alle Fotos von Stefan und Käthe

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