Das Ende der Camping-Romantik

Aus dem schwül-heißen Lubbi-Dubbi sind wir als letzte Station unserer Reise nach Norden geflohen. Einerseits allmählich roadtripmäßig in Richtung Heimat, andererseits einfach zurück in die Berge. Tirol lautete unser Ziel. Doch haben wir etwas zu sehr auf unser Wetterglück vertraut.

Flucht in die Berge, vor dem Beton der Stadt Ljubljana und der Hitze in Slowenien. Wir mussten zurück in höhere Gefilde. Da wir eh nur noch vier Nächte unseres Urlaubs über hatten, sind wir also nach Norden aufgebrochen, zum Heiterwanger See, mit Campingplatz, auf 1000 Höhenmetern, und mit kurzen Wegen zur Zugspitze und zu Schloss Neuschwanenstein.

Österreicher Autobahn-Wegelagerer

Die österreichische Autobahnmaut ist übrigens eine ziemliche Gauner-Tour, finde ich. Man zahlt nicht nur die teure Vignette (zwei, wenn man mehr als sieben Tage verreist), sondern darf an diversen Tunneln auch nochmal zahlen, und das nicht zu knapp. Das fühlte sich an, wie für ein Bier doppelt abkassiert zu werden.

Keine Gewitterwolken, nur jede Menge Regen über dem Heiterwanger See.
Keine Gewitterwolken, nur jede Menge Regen über dem Heiterwanger See.

Wenn ihr von Slowenien auf dem schnellsten Weg durch die Karawanken nach Norden fahrt, habt lieber rund 20 Euro für die beiden langen Autobahntunnel auf dieser Strecke griffbereit.

Etwas ärmer und müde von doch einigen Stunden Fahrt stellte sich erste Ernüchterung ein. Gipfel sahen wir keine. Denn die Wolken hingen regenschwer so tief, dass wir den Kopf zwischen die Schultern zogen, um uns selbigen nicht an diesen zu stoßen. Da war der erste Kaffee auf, emotional.

Camping-Krönung

Fee führte Mio aus und ich widmete mich dem allerschönsten Part eines Camping-Urlaubs: Lageraufbau im Regen. Getoppt wird das nur von Abbauen und Einpacken im Regen. (Das ist am allerallerallerschönsten, wenn man weiß, dass man den nassen Scheiß am Abend wieder aufbauen muss, doch dazu bald mehr in einem Schottland-Rückblick.)

Aber wenn dann alles steht, Tarps jede Regen-Schwachstelle abdecken, der Rotwein schmeckt und man die grau-weißen Wolkenfetzen beobachten kann, die dicht über die Tannen des Hangs nebenan streifen – dann ist alles gar nicht so schlimm. Und auch eine Schnittverletzung lässt sich verarbeiten mit Wundpflege und etwas Verband.

Der nächste Tag begrüßte uns mit etwas Sonne, so brachen wir auf, um etwas Tirol zu erleben. Inklusive schwieriger Wegfindung, Kühen mit Kälbchen (alles glimpflich ausgegangen), deftiger Einkehr, Seilbahn und Plänen für die nächsten beiden Tage.

In ihrem Tarn-Regen-Poncho lenkt Fee die Kühe und Kälber ab, damit Schrat mit Mio schnell vorbei huschen kann.
In ihrem Tarn-Regen-Poncho lenkt Fee die Kühe und Kälber ab, damit Schrat mit Mio schnell vorbei huschen kann.

Aufgewacht unter dicker Decke

Der Abend, die Nacht und der Morgen brachten jedoch Ernüchterung. Die Wolkendecke lag uns förmlich auf dem Kopf, der Regen prasselte unaufhörlich auf die Zeltplane. Rauf auf die Zugspitze? Rüber zu Schloss Neuschwanenstein? Geschenkt. Bei diesem Wetter hätten wir inmitten der Wolken gestanden und nichts gesehen. Und wenn man weiß, dass das Wetter vorerst nicht besser werden soll, nasse Sachen und vor allem der nasse Hund nicht mehr wirklich trocknen werden, ja dann hört die Camping-Romantik auf.

Also packten wir ein – Höhepunkt nassen Camping-Kram einpacken – und haben uns auf den Weg nach Karlsruhe gemacht. Zumindest für eine Nacht.

Tirol, wir sehen uns wieder, nur vielleicht nicht in einem Juli mit Gewitter und Regen.

Fee eilt zum Seeufer, um ein Foto des kurzlebigen Regenbogens zu machen.
Fee eilt zum Seeufer, um ein Foto des kurzlebigen Regenbogens zu machen.

So sieht dann das Resultat des Ufer-Sprints aus: