Hola, bon día!

Veröffentlicht von Fee am

Überall liegen Seen in den unterschiedlichsten, funkelnden Blautönen.

Neun Tage Hüttenwanderung in zwei verschiedenen Nationalparks der spanischen Pyrenäen – Ein Gastbeitrag von Katharina Peck, über Wegverwirrung, komische Hüttenwirte und kaputte Schuhe…

Was geblieben ist:

Die Sonne und die dazugehörige Bräune. Hier gibt’s definitiv das perfekte Wanderwetter (den einen Gewittertag ignoriere ich hier aus persönlichen Gründen einfach mal…). Und dieses wohltuende Gefühl hält nachhaltig an.

Diese Hüttentour war nicht mein erstes Mal, aber das erste Mal in den spanischen Bergen und es waren durchschnittlich 15 Grad mehr als bei meiner Debütwanderung in den Ötztaler Alpen. Dazu die abwechslungsreiche Landschaft: Kaum vorstellbar, dass sich nach jedem Gipfel ein völlig anderes Bild ergibt, aber wahr.

Der Muskelkater hielt auch noch ein paar Tage an, genauso wie die Erkenntnis, dass man mit kaputten Wanderschuhen noch 7 Tage weiter wandern kann.

Hinter jedem Gipfel wartet eine neue Landschaft.

Hinter jedem Gipfel wartet eine neue Landschaft.

Die Planung: „Manchmal kommt der Bus eher, manchmal später, manchmal auch gar nicht.“

Sind die Alpen von Deutschland aus doch etwas schneller erreichbar, stellt sich bei den Pyrenäen die Frage nach der optimalen Anreise. Nun gut.

Natürlich könnt ihr – wenn genug Zeit im Urlaub da ist – mit dem Auto, Bulli oder Wohnmobil anreisen und die Atlantikküste Frankreichs gleich mit abgrasen.

Ist die Zeit dafür aber nicht da, bietet sich an, nach Bilbao oder- wie in meinem Fall- nach Barcelona zu fliegen und sich dort erst mal über Nacht einzuquartieren, zum Beispiel in einem der unzähligen Hostels.

Von Barcelona aus fahren Fernbusse der Gesellschaft ALSA (im Vorhinein buchbar) auch in Richtung Norden. Je nachdem, in welches Wandergebiet ihr da wollt, müsst ihr den Zielort selbst auschecken. Für Weiterfahrten gibt es lokale Taxigesellschaften, die einen zu den verschiedenen Nationalparks bringen.

Einzuplanende Fahrtzeit von Barcelona: vier bis sechs Stunden, Busse fahren meist zweimal am Tag.

Die Wanderung: „Wo ist das verdammte Steinmännchen? Seht ihr noch Steinmännchen?“

Gestartet im Parc Natural del Cadí-Moixeró südlich von Andorra erwarteten mich grün überzogene Bergrücken, schroffe Felswände und kühlende Waldpassagen. Die Wege sind abwechslungsreich, mit zum Teil kleinen Kraxelpassagen, die mit etwas Wandererfahrung und Trittsicherheit zu bewältigen sind.

Wer Höhenwege erwartet, wie es sie in den Alpen des Öfteren gibt, der wird enttäuscht. Bei den Wanderetappen in den Pyrenäen müssen Höhenmeter „gefressen“ werden. Es geht permanent auf und ab. Muskelkater vorprogrammiert 😉

Das gilt für beide Nationalparks, in denen ich war, gleichermaßen. Deswegen solltet ihr vor der Wanderung auf jeden Fall schon den ein oder anderen Bergkilometer gelaufen sein (teilweise müssen 800 Höhenmeter am Stück auf- oder abgestiegen werden, Tagesetappen unter 1000 Höhenmetern sind selten).

Juhu, ein Steinberg. Es war also schon jemand vor uns da.

Juhu, ein Steinberg. Es war also schon jemand vor uns da.

Wegweiser? Nicht unbedingt.

Wenn es in diesem Nationalpark etwas zu kritisieren gibt, dann sind das die fehlenden Hinweise an den wichtigsten Wegpunkten. Gleichzeitig hat es sich als wenig hilfreich erwiesen, Ortskundige zu befragen.

Hilfreich war hier tatsächlich nur die elektronische Karte in Form von GPS (auch wenn man in den Bergen ja eigentlich gerne auf Elektronik verzichten möchte…).

Im Parc Nacional d’Aiguestortes I’Estany de Sant Maurici, westlich von Andorra und in den Zetralpyrenäen gelegen, ist alles insgesamt viel felsiger.

Wege führen über Moränen und Hinkelsteine, große Felsmeere türmen sich vor einem auf. Hier gilt: Steinmännchen suchen und sich von einem zum nächsten vorarbeiten.

In diesem Nationalpark liegen unzählige wunderschöne Bergseen, die in den verschiedensten Blautönen funkeln und für anstrengende Aufstiege entschädigen (Hart Gesottene könnten auch ein kurzes Bad nehmen).

Wenn ihr nicht ausgerechnet auf dem Europawanderweg unterwegs seid, kann es teilweise knifflig und verdammt steil werden. Wandererfahrung daher unbedingt erforderlich. Die Wege sind hier allerdings gut ausgeschildert. Kletterausrüstung braucht ihr nicht.

Spanisch? Französisch? Catalan!

Wenn ihr euch dazu entscheidet, in den spanischen Pyrenäen wandern zu gehen, solltet ihr zumindest einen in der Gruppe haben, der sehr gut Spanisch spricht.

Mit Englisch kommt man klar, aber mehr auch nicht. Und teilweise sind wir auch mit unserem Spanisch am Ende gewesen, nämlich dann, wenn Catalan gesprochen wurde. Und das wird aufgrund des Wunsches nach der Unabhängigkeit Kataloniens teilweise vehement durchgesetzt.

Überall liegen Seen in den unterschiedlichsten, funkelnden Blautönen.

Überall liegen Seen in den unterschiedlichsten, funkelnden Blautönen.

Die Refugis- Vegetarier aufgepasst!

Die Refugis in den Pyrenäen sind gemütlich, nicht so groß wie in den Alpen. Es gibt ausschließlich Lager, so wie man es auch von den ursprünglichen Hütten in Österreich kennt.

Duschen ist überall möglich. Das Abendessen wird nicht à la Carte angeboten, dafür aber ein sehr reichhaltiges Vier-Gänge-Menü. Alles super – solange man Fleisch isst.

Denn die Katalanen essen Fleisch, viel Fleisch. Vegetarier müssen ihre Wünsche unbedingt im Vorhinein anmelden, ansonsten muss gehungert werden. Spontaneität dürft ihr von den Hüttenwirten nicht erwarten. Das Frühstück ist mal süß, mal herzhaft, so wie es das Refugi gerne mag. Satt wird hier jeder – solange ihr Weißbrot mögt. Wem das für den Tag nicht reicht, der kann sich für die Wanderung noch ein „Picknick“ bestellen (Bocadillo mit Käse oder Wurst).

Die Hüttenwirte waren meist angenehme Zeitgenossen, allerdings musste ich auch negative Beispiele kennenlernen. In den Pyrenäen trifft man nicht viele Deutsche. Auf einem Refugi ließ sich auch erahnen, dass diese – zumindest dort – auch nicht so gern gesehen sind. Ein paar Franzosen wollten nicht mit uns auf ein Lager, Nachschlag gab es beim Abendessen nur für die Nachbartische. Schade!

Übrigens solltet ihr euch – wie überall – unbedingt an die jeweiligen Hüttenregeln halten. Meistens bleibt der Rucksack im Eingangsbereich, für persönliche Gegenstände gibt es Transportkisten fürs Lager.

Und für die Elektronik-Junkies unter euch gilt: Nicht überall ist es möglich, seine Geräte aufzuladen. Auch WLAN steht nicht auf allen Refugis zur Verfügung, geschweige denn ein funktionierendes Mobilfunknetz. Vielleicht auch noch hilfreich: Genug Bargeld mitnehmen. Auf den Hütten ist Kartenzahlung noch ein Traum aus einem Science-Fiction-Film.

Verdursten müsst ihr in der Sonne Spaniens übrigens auch nicht. Fast an jedem Refugi gibt es natürliche Quellen, an denen ihr Wasser abzapfen könnt und auch unterwegs trifft man immer wieder auf Quellen oder Oberläufe, an denen ihr eure Flaschen und Energiereserven auffüllen könnt.

Was brauche ich? Weniger ist mehr!

Ein Packvorschlag für 9 Tage:

Rucksack (ca. 50 Liter), 3 bis 4 T-Shirts, zwei kurze Hosen, eine lange Hose, ein Pullover, z. B. Fleece, Unterwäsche, 2-3 Paar Wandersocken, Hüttenschuhe, Chillhose für die Hütte, Schlafzeug, Longsleeve, Windbreaker/ Regenjacke, Sonnencap, Sonnencreme!, Sonnenbrille!, Wanderstöcke, knöchelhohe Wanderschuhe, Erste-Hilfe-Set und Reiseapotheke, Hüttenschlafsack und Stirnlampe

Ein geflickter Schuh hält länger, als ihr denkt.

Ein geflickter Schuh hält länger, als ihr denkt.

Wären da noch die Schuhe. Ein seltenes, aber gravierendes Wandererproblem sind sich ablösende Sohlen – inmitten einer Gebirgskette. Diesmal traf es eine Freundin aus der Gruppe, schon am dritten Wandertag! Deshalb unbedingt Sekundenkleber und Tapes mit in die Berge nehmen! Geflickte Schuhe halten länger als gedacht.

…Ach ja, und war da noch das Gewitter. Einfach ignorieren und weiterlaufen. Liedchen singen und herumalbern, ABER: die Wanderstöcke auf keinen Fall an den Rucksack stecken!

Alle Fotos: Katharina Peck

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