Darum war die Glocknerrunde viel zu krass für mich

Veröffentlicht von Fee am

Lange haben wir hier nichts von uns hören lassen. Zuletzt habe ich geschrieben, wie ich mich auf die Hüttentour rund um den Großglockner vorbereite.

Diese Pause hat leider einen traurigen Grund: Wir haben die Runde abbrechen müssen. Für mich war schon der erste Tag viel zu krass.

Rund um den Großglockner ist schwer genug

Dabei ging es ja noch nicht einmal auf Österreichs höchsten Berg, sondern sogar nur rundherum! Nur… für mich reichte das längst!

Wir sind am ersten Tag mit dem Auto gestartet, das war also noch völligst entspannt. Dann ging es immer höher, vom Auto in den Postbus, vom Bus in den Schrägaufzug (bisschen creepy!), von dort wieder in den Bus. Bis zum Stausee Mooserboden, wunderschön türkis und inmitten wilder Berggipfel gelegen.

Unten am Stausee ist alles noch in bester Ordnung

Am Stausee Mooserboden war alles noch tutti!

Hier schien die Sonne noch strahlend hell, wir haben erst mal Fotos gemacht. Und wie man sieht, ging es mir da noch gut.

15 Kilometer und fast 1.000 Höhenmeter standen uns zu diesem Zeitpunkt noch bevor. Das wusste ich aber gar nicht. In der Tourenbeschreibung standen 12 Komma nochwas Kilometer und Tim hat mir – in weiser Voraussicht – irgendwas von 500 Höhenmetern erzählt, damit ich nicht von vornherein nein, danke zu diesem ersten Tag sagen würde.

Okay, dann laufen wir halt auf eine geschlossene Felswand zu…

Na gut, dann laufen wir halt auf diese Felswand zu.

Das erste Mal graut es mir, als wir den See halb umrundet haben und auf die geschlossene, unüberwindbar scheinende Felswand zustiefeln. Immer weiter, ohne dass sich plötzlich ein Weg durch die Berge auftut. Mir wird immer deutlicher klar, dass ich wohl drüber laufen muss.

Über uns türmen sich langsam die Wolken auf, es wird dunkler, kälter, ein paar Tropfen fallen. Der Wind pfeift über den Bergkamm, es ist einfach nur ungemütlich. Ich kann nicht mehr, meine Lunge sagt, sie will mal sitzen und eine Pause machen. Arme, Beine und Kopf sagen aber, sie hätten dafür gerne einen wärmeren Ort und erst mal das Schlimmste geschafft.

Über Felsbrocken klettern war nicht Teil des Deals!

Felsbrocken, Schnee, steil, Wind. Alles ziemlich übel.

Und das Schlimmste kommt: Auf einmal ist der Weg kein Weg mehr, sondern nur noch lose aneinandergereihte Markierungen auf einem Geröllfeld. So hatten wir nicht gewettet, Wanderurlaub!

Die Felsen hier sind teilweise 1,20 Meter hoch, ich muss mich festkrallen, um sie überhaupt besteigen zu können. Unglücklicherweise habe ich keine Ahnung vom Klettern.

Noch unglücklicher ist eigentlich nur der Schnee auf den Felsbrocken. Ich habe keine Ahnung, wo ich mich festhalten soll, und immer mal wieder versteckt sich ein Loch zwischen den Felsen, das der Schnee verborgen hat, bis ich hineintrete und fast zwischen den Steinbrocken stecken bleibe.

Nur eine kleine Panikattacke am Berg, was macht das schon?

Herrliche Aussicht? Keine Ahnung. Ich will einfach nur diesen Berg schaffen. Irgendwann aber weiß ich nicht mehr, wie ich den nächsten Felsen besteigen soll, ohne hinten rüber und den ganzen Berg wieder runter zu kippen. Es geht nicht vor und nicht zurück und ich werde panisch. Ich fange an zu heulen und nur Tims gutes Zureden kriegt mich irgendwie auch hier hoch.

Als wir durch das Kapruner Törl kommen, im eiskalten Wind und mit Blick auf den Gletscher, habe ich noch nicht mal einen Gedanken an ein Foto übrig – und das will was heißen. Es sah jedenfalls unglaublich aus.

Mio vor dem beeindruckenden Gletscher Unteres Riffkees

Etwas weiter unten machen wir dann doch Fotos und Videos und eine Pause. Langsam kommen ein paar Kräfte zurück, aber wir hoffen, dass es bald geschafft ist.

Mio im Freilauf – weil wir einfach nicht mehr können

Denkste. Wir haben noch einmal rund 600 Höhenmeter vor uns, wieder mit Felsbrocken, Stahseilen, schwierigen Passagen. Und mit einem Hund, der nur noch zieht.

Mio im Freilauf – und mit Kommandos am laufenden Band trotzdem nah bei mir.

Am Ende lassen wir Mio freilaufen, wir haben einfach keinen Nerv mehr, ihn an der Leine zu halten. Ich muss mich sowieso darauf konzentrieren, nicht tot umzufallen.

Wir haben viel zu wenig Wasser mit, weil wir auf diese Schwierigkeiten nicht gefasst waren. Ich kriege Kopfschmerzen und verstehe den Boden unter meinen Füßen nicht mehr, muss immer vorsichtig prüfen, ob ich den Fuß nun angemessen aufgesetzt habe oder für diesen Stein da oder dieses Stück Matschweg doch eine andere Technik die richtige gewesen wäre.

„Gut, dass Sie da sind!“

Irgendwo dort liegt auch der Weißsee…

Mio fängt glücklicherweise weder Murmeltier noch Gämse und wir kommen irgendwann relativ heil am Berghotel Rudolfshütte am Weißsee an. Das könnte gemütlicher nicht sein. Wir werden mit den offensten Armen empfangen, die ich mir überhaupt vorstellen konnte. „Schön, dass Sie da sind“, heißt es. Und: „Wirklich gut, dass Sie da sind!“ Das „endlich“ im Satz von Edit an der Rezeption ist deutlich rauszuhören. Es wurde wohl Zeit.

Als wir endlich etwas essen und dazu viel Wasser trinken können, ist es auch schon dunkel. Das war wirklich knapp – und für mich viel zu krass. Wir haben die Glocknerrunde am nächsten Tag abgebrochen. Aber das ist noch eine andere Geschichte.

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