Das erste Abendessen aus dem Wald

Veröffentlicht von schratundfee am

Das Dinner selbst finden, sammeln, zubereiten, essen – perfekte Wildnis-Romantik. Was so schön klingt, sollte aber mit Vorsicht angegangen werden.  Wir haben uns beim Pilze sammeln trotzdem getraut.

"Wie Pilze aus dem Boden" sprießen allerlei Dinge. Im Herbst tun sie es selbst wortwörtlich.

„Wie Pilze aus dem Boden“ sprießen allerlei Dinge. Im Herbst tun sie es selbst wortwörtlich.

Der Herbst ist die perfekte Zeit, um Pilze zu finden. Die Feuchtigkeit bei noch angenehmen Temperaturen lässt sie aus dem Boden schießen. Bei einer kleinen Wanderung im Pfälzerwald müssen wir daher gar nicht lange suchen, bis wir die ersten Exemplare entdecken.

Doch dann beginnt der Part mit der Vorsicht: Denn es gibt verdammt viele Arten von Pilzen. Von denen sehr viele ungenießbar, weil bitter oder magenverstimmend, manche leicht bis tödlich giftig sind. Und wenn man dann einen essbaren findet, muss er auch noch schmecken.

Ein bisschen anders als im Supermarkt

Erfahrung haben wir kaum bis keine mit Pilzen, abgesehen von denen im Supermarkt und auf dem Markt. Doch wir haben uns vorbereitet mit einem sehr ausführlichen Bestimmungsbuch und dem Vorsatz, nur Pilze mitzunehmen, deren Beschreibung zu 100 Prozent auf das Exemplar vor uns zutrifft.

Was das wohl für ein Pilz ist? Wir konnten sie nicht zweifelsfrei bestimmen, daher haben wir sie links liegen lassen.

Recht zweifelsfrei lassen sich Pfifferlinge und Steinpilze erkennen, die auch hier in Deutschland wachsen. Allerdings sind sie selten geworden und stehen teilweise unter gesetzlichem Schutz – daher dürfen Sammler nur wenige davon mitnehmen.

Gefunden haben wir bislang auch keine, lediglich Falsche Pfifferlinge. Die sehen den Echten Pfifferlingen sehr ähnlich, wachsen aber – anders als die Echten – an totem Holz und sind sehr fest. Von den Echten Pfifferlingen hingegen kann man sich ganz leicht ein Stückchen abbrechen.

Kundige Pilzsammler suchen zuerst nach Bäumen

Der Gemeine Riesenschirmling.

Mit dem Bestimmungsbuch in der Hand stiefeln wir also durch den Pfälzerwald, sammeln fleißig Keschde (die Esskastanien kann man zum Glück sehr leicht erkennen) und scannen den Waldboden, aber auch die Bäume. Denn Pilze haben teils sehr spezielle Vorlieben für ihren Standort. Steinpilze etwa wachsen gern unter Fichten, Buchen und Birken. Neben Aussehen, Geruch und Haptik lernt der Pilzfreund also am besten auch die bevorzugten Standorte und Lebensbedingungen der gesuchten Arten auswendig.

Wir entdecken einige sehr eindrucksvolle Pilze. Wie Regenschirme spannen sich ihre Hüte über dem Laub am Wegesrand. Das Buch gezückt und die Merkmale abgeglichen: Ein großer Hut, bis zu 30 Zentimeter im Durchmesser. Darauf dunklere „Flocken“. Ein großer, gerader Stengel ohne besondere Maserung. Ein beweglicher Lamellenring im oberen Drittel des Stengels. Ein typisch pilziger Geruch. Feste Hüte. Ein etwas lichter Standort zwischen Laubbäumen. Wir sind uns sicher: Vor uns stehen einige große Parasolpilze – oder auch Gemeine Riesenschirmlinge genannt.

Dennoch zögern wir kurz

Roter Hut, weiße Punkte – eindeutig Fliegenpilze, also Finger weg!

Sind es wirklich diese Pilze, die so nah an der Beschreibung im Buch sind? Oder vielleicht eine verwandte Art, die so ähnlich, aber doch etwas anders aussieht, riecht, steht? Wir überlegen hin und her – und nehmen sie mit. Denn sie erfüllen ein Merkmal, das laut Bestimmungsbuch für alle essbaren Pilze der Art Schirmlinge gilt: Der Lamellenring am Stengel ist beweglich, lässt sich auf und ab schieben.

Zuhause halten wir uns an die Empfehlung des Buches für die Zubereitung: Vorsichtig putzen, dann die Hüte panieren und wie ein Schnitzel braten. Die Stengel kommen weg. Und siehe da: Paniert und gebraten schmecken sie wirklich gut, wenn auch nicht spektakulär. Viel Eigengeschmack haben die Riesenschirmlinge nämlich nicht. Der Versuch, einen Hut nur in Butter zu braten, schmeckt daher auch nicht besonders.

Bleibt vorsichtig!

Doch auch nach diesem erstmaligen Erfolg bleiben wir vorsichtig und legen auch euch diese Vorsicht ans Herz: Nehmt nur Pilze mit, bei denen ihr euch sicher seid, dass sie essbar und genießbar sind. Fragt im Zweifel Experten und verlasst euch nicht allein auf ein Bestimmungsbuch, Online-Artikel und Fotos.

Eine Liste mit Pilzexperten mitsamt Suchfunktion gibt es hier bei der Gesellschaft für Mykologie.

Nehmt die Pilze in luftigen Tragegefäßen mit, in Stoffbeuteln oder Körben. In Plastik faulen sie schneller, bei manchen Arten geht das ruckzuck. Und nehmt nur appetitlich aussehende Exemplare mit. Wenn der Pilz schon im Waldboden schmierig-faulig ist, kann es in der Pfanne nur schlimmer werden. Idealerweise plant ihr die Wanderung so, dass ihr im zweiten Teil oder auf dem Rückweg an den vielversprechenden, feuchten Waldstellen oder auch Wiesen für Champignons vorbei kommt. Dann müsst ihr die Pilze nicht so lange mit euch rumtragen und sie sind schön frisch, wenn ihr daheim seid.

Und wir müssen es nochmal wiederholen: Sammelt nur Pilze, bei denen ihr euch ganz sicher seid, dass ihr sie bestimmen könnt. Und bereitet sie richtig zu, heißt, erhitzt sie einmal ordentlich durch, sei es in der Pfanne, auf dem Grill oder im Backofen. Viele Pilze können sonst giftig sein und euch fies auf den Magen schlagen.

Eine Pilzvergiftung ist eine ernste Angelegenheit, beginnt bei ausdauernden Magen-Darm-Beschwerden und kann mit Organschäden enden. Einige Pilze stehen sogar in Verdacht, mutagene Stoffe zu haben. Das heißt, sie können unter Umständen das Erbgut verändern. Und das ist wohl nun wirklich kein Abendessen wert.

Typische Beute einer Herbstwanderung im Pfälzerwald.


 

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