Blase, Schnitt, Kratzer – was ins Erste-Hilfe-Set gehört

Veröffentlicht von Schrat am

Ein Set mit den wichtigsten Utensilien für den kleinen medizinischen Notfall habe ich unterwegs immer dabei. Und ich denke, das sollte jeder, der sich etwas aus der Zivilisation herauswagt. Aber was gehört rein?

Eigentlich habe ich es mir leicht gemacht: Ich habe im Laden einfach ein schlichtes, mittelgroßes und nicht zu schweres Erste-Hilfe-Päckchen eingepackt. Ohne mir groß Gedanken zu machen. Erst zu Hause habe ich reingeschaut und mit Tipps von Institutionen wie dem Alpenverein verglichen.

Dessen Checkliste für die Rucksack-Apotheke:

  • Pflaster
  • elastische Binde
  • Tape
  • Einmalhandschuhe
  • 2 Dreiecktücher
  • 2 Verbandpäckchen
  • sterile Mullkompressen
  • kleine Schere
  • 2 Rettungsdecken

Dem habe ich anfangs uneingeschränkt zugestimmt. Das alles im Gepäck, wasserdicht verpackt, schon ist man für die kleinen Notfälle im Wald und am Berg gerüstet.

Doch dieses Paket lässt sich noch verbessern: So brauchen ich und die meisten Wanderer oder sonstwie Gern-Draußen-Seienden zum Beispiel keine Schere darin. Ein Taschenmesser oder irgendein anderes Messer habe ich immer dabei.

Biwacksack > Rettungsdecke

Rettungsdecken – für Verletzte und Menschen unter Schock wichtig. Wer einen Biwaksack im Rucksack hat, kann sie aber getrost zu Hause lassen.

Auch die Rettungsdecken braucht man nicht, sobald man einen Biwaksack für den Notfall dabei hat. Diese Folien-Säcke sind im Grunde nichts anderes als zusammengeschweißte Rettungsdecken, etwas robuster vielleicht.

Biwaksäcke machen genau das Gleiche wie Rettungsdecken: Sie schützen den Körper vorm Auskühlen, indem sie die Körperwärme reflektieren und im Sack halten.

Multifunktion im Dreieck

Über die Dreiecktücher lässt sich streiten. Sie sind ziemlich universell einsetzbar, für die Einsatzmöglichkeit, die wohl den meisten direkt in den Sinn kommt – die Armschlinge –, braucht man sie nicht dabei zu haben, denke ich. Wer sich den Arm derart bricht oder so verletzt, dass er in einer Armschlinge ruhig gestellt werden muss, sollte nicht noch durch die Gegend latschen, sondern den Notruf anrufen. ABER:

Auch wenn sie sich nicht für sterile Verbände eignen (weil nicht steril, logisch), lässt sich mit ihnen ein Druckverband angemessen und anständig fixieren. Also einpacken. Denn:

Das Erste-Hilfe-Set soll dich vorm Verbluten retten

Ab Werk sind die meisten Erste-Hilfe-Sets mit dem Nötigen ausgestattet. Die Schere und Rettungsdecke sind bei mir rausgeflogen.

Der Gedanke kam mir nicht selbst, sondern einem Outdoor-Survival-Tüpi, der in einem Magazin sein selbst zusammengestelltes Erste-Hilfe-Set vorstellt. Es ist sehr reduziert, darin ist weniger als der DAV empfiehlt. Und alles darin ist nur dazu da, stark blutende Menschen vorm Verbluten zu retten.

Seine Erklärung ist einfach: Ein gebrochener Arm, ein schwer gestauchtes Fußgelenk, eine Kopfverletzung nach Sturz – all das kann ein Laie nicht angemessen behandeln. Wer mit solchen Verletzungen nicht weiter kann, muss den Notruf oder die Bergrettung rufen.

Was der Laie können muss

Aber eine stark blutende Wunde, die kann und muss ein Laie verbinden. Denn wenn es ganz schlecht läuft, ist die verletzte Person nach wenigen Minuten verblutet. Für solch eine Verletzung braucht es nicht viel und auch gar keine wilden Touren. Bei der Pause, wenn die Käsepackung aufgeschnitten wird einmal abgerutscht, Messer im Oberschenkel, Arterie verletzt, Ende.

Also dreht sich im Erste-Hilfe-Set des Survival-Tüpis alles um sterile Wundauflagen, Mullbinden, Verbandpäckchen und Dreiecktücher, mit denen man einen anständigen Druckverband anlegen kann.

Wie der noch gleich geht?

Wie bei jedem Notfall gilt: Zuallererst den Notruf/Bergrettung/Helfer rufen oder rufen lassen. Auch mit einem Druckverband läuft eine schwer verletzte Person nicht mehr den Berg runter.

Die Wunde steril abdecken, die Wundauflage mit Mull fixieren. Dann ein Druckpolster direkt auf der Wunde anbringen, zum Beispiel eine ungeöffnete Mullpackung oder ein Verbandpäckchen. Dieses dann weiter mit Mull fixieren, richtig schön stramm ziehen. Dafür eignet sich ein Dreiecktuch, zu einer Krawatte zusammengelegt.

Extras für den Komfort

Gegen ernsthafte Blutungen, kleine Blasen und falls Panik aufkommt ein Heftchen zum nachlesen.

Nun sind wir keine Hardcore-Survivalisten, die mit minimalem Gepäck maximal raus in die Wildnis wollen. Das Gepäck darf ein paar Gramm mehr wiegen und es darf auch was für die Annehmlichkeiten des Lebens drin sein. Daher habe ich mein Erste-Hilfe-Set mit anständigen Blasenpflastern versehen – die verrutschte Socke im Schuh kann einem sonst ziemlich den Tag versauen – und mit einigen Medikamenten gegen Allergiebeschwerden, Kopfschmerzen, Muskelkater und allem, was einem an Wehwehchen sonst so unterwegs die Laune verderben kann.

Außerdem habe ich darin auch die oben verlinkte kleine Erste-Hilfe-Broschüre des DAV – denn in welchem Wechsel ging noch mal die Herz-Lungen-Wiederbelebung? Ehe Panik und Unsicherheit aufkommen, möchte ich lieber schnell nachsehen können.

Eine Ausnahme von all dem hier wären natürlich Touren in entlegene Gebiete, in denen es weder Notruf, noch Bergrettung gibt und man in der Wildnis ziemlich auf sich allein gestellt ist. Doch damit befassen wir uns, wenn es soweit ist.

Neues Heim für alle Fälle

All das und noch viel mehr ist nun in einer doch recht großen Erste-Hilfe-Tasche untergebracht. Drei Päckchen – das Erste-Hilfe-Täschchen, Notfall-Ausrüstung für den Hund und eine kleine Reiseapotheke – einzeln im Rucksack zu tragen erwies sich als unpraktisch. Zu viel Kleinkram flog im Rucksack herum.

Nun hat ausnahmlos alles Platz in einer einzigen Tasche, fixiert mit Gummi-Bändern, Kleinteile wie Sicherheitsnadeln und Schmerztabletten aus der Reiseapotheke in Filmdosen. So ist alles schnell griffbereit, wenn es eben schnell gehen muss.

Die Reiseapotheke ist nun auf wasserdichte Filmdosen aufgeteilt.

Neu dabei ist ein Tuch, das bei Wiederbelebungsmaßnahmen vor Infektionen schützt, sollte der oder die Wiederzubelebende etwa offene Wunden an Mund und Nase haben.

Ich hoffe, es niemals gebrauchen zu müssen. Aber sollte es so sein, dann soll nicht die Angst vor möglichen Infektionen mich zögern lassen, wenn es um die Wiederbelebung geht. Das kleine Päckchen macht sich auch gut am Schlüsselbund!

Darin verbirgt sich ein Auflegetuch samt Ventil, das vor Infektionen schützt.

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Schrat

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