West Highland Way Teil 2 – volle Breitseite Schottland

Veröffentlicht von Schrat am

Die ersten Tage sind geschafft, die ersten Blasen aufgeplatzt, die Schultern schmerzen. Doch jeder Schritt Richtung Norden bringt uns weiter in die „echten“ Highlands, in die Wildnis. Teil 2 des Berichts vom West Highland Way!

Teil 1 verpasst? Hier geht es direkt dorthin.

Das erste Mal richtig schottisches Wetter

Tag 3:  Der dritte Tag bringt uns folgende Erkenntnis: Nie wieder bekommt man seinen Kram trocken. Regen, dann die Feuchte der Nacht, dann der Tau am nächsten Morgen und dann geht es wieder von vorn los. Es ist unmöglich, alles trocken zu halten.

Gönnung – bei der Mittagspause auch einfach mal ein Käffchen aufsetzen.

Unser Weg führt uns von Cashel bis nach Inversnaid. Zumindest ist das unser Plan. Bis Roverdonan marschieren wir an Loch Lomond entlang, ein steiniger, doch schöner Weg. Dort gönnen wir uns einen halben Pint im Pub, um die müden Geister zu beleben. Doch dann setzt der Regen ein. Regen. Regen Regen. Unaufhörlich, ohne Unterbrechung, nicht eine Sekunde. Mit jedem Schritt werden wir weiter durchnässt – zuerst die Klamotten am Leib, nach und nach dann auch alles im Rucksack. Irgendwo ist immer eine Lücke im Regenschutz.

Der Weg selbst ist wunderschön, felsig, aber auch schwierig – bei dem feuchten Wetter bekommen wir von der Natur um uns herum kaum etwas mit, zu sehr mussten wir auf unsere Füße und die nächsten Schritte über die glitschig-nassen Felsen achten.

Im Hotel Inversnaid machen wir Halt zum Aufwärmen und für einen halben Pint – für die Motivation. Wir dürfen unsere durchnässten Sachen in einem ungenutzten Saal ausbreiten, damit sie zumindest etwas antrocknen können. Wir sind nicht die ersten. Überall im Raum sind Jacken, Regenhosen, Zeltbahnen aufgespannt. Wir selbst müssen ziemlich angeschlagen aussehen, angesichts der vielen mitleidigen Blicke in der Bar.

Unser Lager am Loch Lomond, gerade eben außerhalb der Zone, in der campieren verboten ist.

Doch dann müssen wir wieder aus in den Regen, etwas weiter, für eine Übernachtung im Hotel reicht das Budget nicht, so verlockend es auch ist. Nur rund einen bis zwei Kilometer weiter Richtung Norden schlagen wir das nasse Lager am nassen Ufer des Loch Lomond auf, auf einer Erhöhung, damit uns nichts wegschwimmt. Die ersten Zweifel kommen auf und wir überlegen, im nächsten Ort den Bus zum nächstgrößeren Ort zu nehmen, um in einem Hotel zu nächtigen, sollte der Regen nicht nachlassen.

Tag 4: Zu unglaublichem Sonnenschein wachen wir auf. Auf einem Felsen, der am Ufer thront, trinken wir unseren Kaffee mit Blick auf das sonnenspiegelnde Seewasser.

 

Der Ausblick beim Morgenkaffee.

Mit dieser Motivation im Nacken packen wir unsere noch immer klatschnassen Sachen zusammen und wandern weiter – jedoch nur elf Kilometer, wie wir auf dem Weg am Nordufer des Loch Lomond entschieden. Wir haben eh einen bis zwei Reservetage eingeplant, einen halben wollen wir uns nehmen, um unser Gepäck in der Sonne zu trocknen. Auf einem Campingplatz in Inverarnan halten wir. Mit strahlendem Sonnenschein ist das Trocknen kein Problem, wir können zudem Wäsche waschen und trocknen, aufrecht stehend in einer Camper-Küche kochen und im Drover’s Inn den erfolgreichen Tag begießen.  Das geht in dem Pub/Hotel von 1705 wunderbar, klare Empfehlung.

Tag 5: Bis nach Tyndrum liegen an diesem Tag 20 Kilometer vor uns. Und inzwischen waren wir wirklich in den Highlands angekommen. Unsere Mittagspause verbrachten wir in einem Wald wie aus einem Grimmschen Märchen

Bergfest! Whoop whoop!

– nicht die netten Kindermärchen, sondern die originalen, alten, echt furchteinflößenden Märchen. Doch in der kargen Landschaft der Highlands ist dieser Wald eine willkommene Abwechslung.
Über einen bequemen breiten Weg, zwischen und über die Hügel der Highlands, erreichen wir ein Schild, das sich an unsereins richtete: Wir haben die halbe Strecke geschafft!

In Tyndrum treffen wir bekannte Gesichter wieder und können über das Erlebte quatschen: Wie weit man es die einzelnen Tage geschafft hat, die kleinen Wehwehchen und der Regen. Das Abendessen besorgen wir uns im Green Wellie, ein Laden, der noch einmal alles hat – was dringend nötig ist: Bis nach Kinlochleven, etwa 45 Kilometer von Tyndrum, gibt es keine weitere Einkaufsmöglichkeit. Wir decken uns mit dem Nötigsten und vor allem mit Flapjacks, Müsliriegeln für echten Hunger, ein, was sich am nächsten Tag schon sehr bezahlt macht.

Man bedenke stets, dass die Berge in Schottland nicht hoch sind. Der höchste, Ben Nevis, ist 1345 Meter hoch.

Das Gepäck für den West Highland Way. Mit Vorräten und Wasser kamen gut und gern 25 Kilo dabei rum. Aber: Nicht ein Ausrüstungsstück blieb ungenutzt.

Das Gepäck für den West Highland Way. Mit Vorräten und Wasser kamen gut und gern 25 Kilo dabei rum. Aber: Nicht ein Ausrüstungsstück blieb ungenutzt.
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Das Gepäck für den West Highland Way. Mit Vorräten und Wasser kamen gut und gern 25 Kilo dabei rum. Aber: Nicht ein Ausrüstungsstück blieb ungenutzt.

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Warum sich Flapjacks bezahlt machen und wie es sich anfühlt, die kleinen fliegenden Herrscher der Highlands zu treffen, lest ihr in Teil 3!

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