Vom Heimkommen

Wanderer, Bergsteiger, Kanuten, Kletterer, Mountain-Biker: Uns alle zieht es ständig nach draußen, bei Regen, Schnee, Sturm und Sommerhitze. Draußen leben und erleben wir. Doch ebenso wichtig wie das Draußen-Sein, Erleben und Reisen ist für mich das Heimkommen.

Ich habe kein Heimweh unterwegs. Hatte ich nie so recht, auch als Kind nicht. Nur ganz selten habe ich Situationen, in denen ich mich in die heimischen vier Wände wünsche: manchmal im strömenden Regen. Oder wenn es einfach nicht weitergeht und alles gerade grau und trist ist, wie bei unserem Versuch an der Glocknerrunde.

Der Geruch von daheim

Angekommen.

Erst auf dem Heimweg stellt sich dann die große Vorfreude ein. Auf den Moment, wenn der Schlüssel sich im Schloss der Wohnungstür dreht, die Tür aufschwingt und dieser unbestimmte, heimelige Geruch des eigenen Zuhauses in die Nase dringt.

Dieser Moment steht für all das, was einem unterwegs doch manchmal fehlt. Zumindest vordergründig. Eigentlich bedeuten dieser Moment und die darauf folgende Zeit nach einer Reise viel mehr. Nicht bloß für das Daheim-Sein, sondern vor allem für all die vielen Touren, Pläne, Wege, die noch bevorstehen.

Unterwegs, in den Wäldern und Bergen, begegnen wir ständig neuen Anblicken, neuen Wegen, neuen Kreuzungen und Ausblicken. Das ist spannend, das macht den Reiz aus. Doch: Dadurch müssen wir uns stets neu orientieren, auf Neues einstellen, uns anpassen, einfinden, einfühlen und reagieren.


Dieser Beitrag darf sich in die Kette von Blog-Beiträgen des Outdoor-Advents von aufundab.eu einreihen. Hier bekommt ihr einen Überblick aller Beiträge zu diesem digitalen Adventskalender. Hier wiederum geht es zu Törchen Nummer 21. Hier entlang zu Törchen 23.


Das beginnt beim Finden des Weges, des nächsten Wegweisers oder des nächsten Anhaltspunktes anhand der Karte. Und das geht weiter mit Wetterumschwüngen – umkehren? Durchbeißen? Wie weit ist es noch, schaffen wir es, reicht die Zeit? Und es endet in der Unterkunft: Welches Zimmer? Wo können die durchnässten Schuhe trocknen? Wo gibt’s essen? Wann? Wie geht es morgen weiter?

Daheim hat alles seinen Platz. Ich muss mich nicht ständig orientieren und herausfinden, wo was und ich hin müssen. All das ist bekannt und routiniert. Schon kurz nachdem ich bei der Heimkehr die Wohnung betrete, beginnt die vertraute Routine.

Gepäck auspacken, Ausrüstung verstauen, Waschmaschine anwerfen, alles wegräumen. Dann ist Raum für dieses heimelige Gefühl der Geborgenheit, Sicherheit und Vertrautheit, das so viele Menschen auch an der vorweihnachtlichen Zeit schätzen, am Heimkommen und bei Besuchen von Freunden und Familie.

Dieses Heimkommen nach einer langen Tour oder aus dem Urlaub bedeutet für mich eine ganz bestimmte Ruhe. Die Ruhe, die ich brauche, um nicht den Körper, sondern vor allem dem Geist die Routine zu gönnen und in mir wieder Unruhe zu sammeln. Diese Unruhe, die mich dann kurze Zeit später schon wieder raus treibt, mich Pläne schmieden und nach neuen Routen und Touren schauen lässt.

Ruhe für neue Hummeln im Hintern

Denn ist es nicht die Zeit, die wir bequem und behaglich daheim verbringen, die dafür sorgt, dass wir die Unannehmlichkeiten und Schwierigkeiten der Reisen und Touren vergessen? Den Wolf, den man sich gelaufen hat. Den Rucksack, der eigentlich schwerer auf den Schultern lastete als man es sich eingestehen möchte. Das unbequeme Bett in der Herberge.

All das rückt in den Hintergrund, die Aussichten, die Erfolgsgefühle nach den Aufstiegen, die Waldeinsamkeit inmitten der Bäume – all dies kann in den Vordergrund treten und uns nach und nach wieder Hummeln in den Hintern setzen. Sodass wir schon so bald wie möglich wieder unsere Sachen packen, die Wanderschuhe schnüren und losziehen.