Gretchenfrage: Wie hast du’s mit den hohen Wanderschuhen?

Immer schön in stützenden hohen Wanderschuhen laufen oder gern auch mal im Halb- oder Sportschuh? Das ist eine der Gretchenfragen des Wanderns. Und schaut man in Facebook-Gruppen und Foren, scheint es wirklich eine Glaubensfrage zu sein. Ich sehe das etwas gelassener…

Vorweg: Beim Wandern sollte jeder tragen, was ihr und ihm gefällt, bequem ist und niemandem schadet. Im Grunde also wie bei allem im Leben. Doch all die unterschiedlichen Schuh-Formen haben durchaus ihre Berechtigungen.

Sie alle im Detail zu durchdringen, das ist mir noch nicht gelungen. Aber einen kleinen Überblick, basierend auf meiner bisherigen Erfahrung, Gesprächen und Artikeln, möchte ich euch mitgeben:

Hohe Wander-/Trekking-Schuhe:

Fester Schuh, stabile Sohle: Mit solchen Schuhen lege ich gern auch Fernwanderungen mit viel Gepäck zurück.
Fester Schuh, stabile Sohle: Mit solchen Schuhen lege ich gern auch Fernwanderungen mit viel Gepäck zurück.

Diese Schuhe haben eine stabile Sohle, ein griffiges Profil und sind insgesamt fest, um dem Fuß ordentlich Halt auf matschigen Waldwegen und im Geröll der Alpen zu geben. Der Schaft reicht über die Knöchel und stützt das Gelenk, schützt ein bisschen vor Verletzungen und Geröll, unterstützt den Fuß – besonders beim Tragen von schweren Rucksäcken – und entlastet Bänder und Sehnen.

Doch genau da ist auch das „Problem“ solcher hohen Schuhe: Sie entlasten Bänder und Sehnen. Werden sie ständig entlastet und unterstützt, werden sie weniger stark trainiert und gewöhnen sich nicht an die Belastung. Das ist jedoch nötig, um den gesamten Körper an die Anstrengungen längerer Wanderungen zu gewöhnen. Außerdem beugt es Verletzungen vor, diese Körperteile zu trainieren. Oder die Verletzungen fallen etwa beim Umknicken in der Regel nicht so schlimm aus.

Bei entsprechender Pflege und Behandlung sind sie ziemlich wasserdicht und dank des hohen Schafts kann man auch locker riesige Pfützen und kleine Bäche durchwaten, ohne nasse Füße zu bekommen.

Wasserabweisend und doch atmungsaktiv dank Gore-Tex. Aber Vorsicht: Der Luftaustausch klappt nur, wenn es im Schuh wärmer ist als außerhalb des Schuhs. Wasser weisen sie aber immer ab.
Wasserabweisend und doch atmungsaktiv dank Gore-Tex. Aber Vorsicht: Der Luftaustausch klappt nur, wenn es im Schuh wärmer ist als außerhalb des Schuhs. Wasser weisen sie aber immer ab.

Die Steigerung sind Bergschuhe oder Bergstiefel. Sie sind noch steifer in der Sohle und stabiler im Schaft. In alpinem Gelände und für Gletschertouren sind sie ein Muss. Denn nur sie sind so stabil, dass man Steigeisen an ihnen befestigen kann. Bei solchen hochalpinen Touren erübrigt sich in den allermeisten Fällen die Gretchenfrage dieses Beitrags.

Halbschuhe und Trailrunning-Schuhe:

Auch Trailrunning-Schuhe haben schon ein anständig griffiges Profil.
Auch Trailrunning-Schuhe haben schon ein anständig griffiges Profil.

Diese Schuhe enden unterhalb des Knöchels, sind in sich aber immer noch stabil, stützen und schützen den Fuß. Auch sie haben ein griffiges Profil für matschige Wege und steinige Anstiege. Sie sind deutlich leichter als knöchelhohe Trekkingschuhe, sie bestehen ja auch aus deutlich weniger Material.

Sie stützen das Gelenk nicht so wie die hohen Schuhe, beim Umknicken sind die Bänder auf sich gestellt und wer in eine tiefe Pfütze dappt, der bekommt nasse Füße. Und genau das sind die Vorteile dieser Schuhe: Da sie leichter sind, ermüden sie den Wanderer und Läufer nicht so sehr wie die schwereren, hohen Exemplare. Manch einer fühlt sich vielleicht auch etwas freier beim Gehen und Rasten mit weniger Masse am Fuß.

Außerdem werden beim Gehen und Laufen die Bänder stärker trainiert. Wer langfristig gern länger und weiter wandern möchte, sollte also auch immer wieder in den flachen Schuhen losgehen.

Sport- und Laufschuhe:

Jogging-Schuhe oder Laufschuhe sind dafür gemacht, dass Läufer in ihnen ausdauernd lange Strecken auf meist hartem Untergrund zurücklegen. Warum sollte man sie also nicht auch zur Wanderung tragen? Sie erfüllen ähnliche Kriterien wie die halbhohen Wanderschuhe, nur sind sie in der Regel noch leichter, luftiger und meist nicht wasserfest.

Das Profil der meisten Joggingschuhe ist nicht geeignet für aufgeweichte Waldwege oder felsige Steige.
Das Profil der meisten Joggingschuhe ist nicht geeignet für aufgeweichte Waldwege oder felsige Steige.

Die Sohle dämpft die Schritte und schont die Gelenke, das Profil ist meist jedoch eher nicht für schwieriges Gelände gemacht. Wer eine Wanderung plant, die überwiegend über Feldwege und befahrene Forstwege führt, kann auch guten Gewissens seine Joggingschuhe anziehen und mit diesen Leichtgewichten an den Füßen noch etwas mehr Kraft sparen.

Da steh ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor

Jeder Schuh-Typ hat also seine Daseinsberechtigung. Welcher der richtige ist, hängt allein von den individuellen Bedürfnissen des Wanderers und der Tour ab. Bei der Entscheidung sollten die vor einem liegende Strecke, das Gepäck auf dem Rücken, der Trainingseffekt, die Dauer der Tour, das Wetter und der Untergrund des Wegs bedacht werden.

Schrat, wie hast du’s denn mit den Schuhen?

Ich möchte keine direkte Kaufempfehlung abgeben, erst recht nicht für einzelne Marken oder Modelle. Für mich hat sich im Laufe der Zeit aber herausgestellt, dass sich alle Schuhtypen für mich lohnen.

Die hohen Wanderbotten für die ausdauernden, langen Touren mit schwerem Rucksack, leichte Trailrunning-Schuhe für leichtere, kürzere Touren über Berge und durch Wälder sowie auch Jogging-Schuhe, zum einen fürs Jogging, zum anderen für ausgedehnte Spaziergänge und Strecken, bei denen ich weiß, dass es vorrangig über befestigte Wege gehen wird – und es wohl trocken bleiben wird. Generell trage ich die Schuhe so leicht wie möglich und so schwer wie nötig.

Schön luftig im Sommer – doch auch kein bisschen wasserabweisend.
Schön luftig im Sommer – doch auch kein bisschen wasserabweisend.

Ja, und nun?

All diese Schuhe gibt es nun in zig Varianten, mit Lederelementen, komplett aus Leder, vollkommen aus Kunstfaser, und vor allem auch zu vielen unterschiedlich hohen Preisen. Mein abschließender Tipp: Geht in ein Fachgeschäft mit Fachpersonal und lasst euch fachkundig beraten. Macht euch vorher Gedanken, wann ihr wo mit wie viel Gepäck laufen wollt. Gute Läden haben auch Teststrecken, auf denen ihr Schuhe am Hang oder im Gefälle ausprobieren könnt.

Denn neben allen Varianten, die wir Wanderer am Fuß tragen können, ist eines unerlässlich: Die Schuhe müssen gut passen.


 

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