Kein Tessin-Besuch ohne Grotto

Veröffentlicht von Schrat am

Grotti sind eine Spezialität des Tessins. Wenn ihr dort, im Süden der Schweiz, sein solltet, müsst ihr unbedingt in solch einem Grotto essen. Unbedingt!

Ein Grotto ist ursprünglich ein rustikales Lokal für die Leute vom Land in der italienischen Schweiz gewesen. Man sitzt überwiegend draußen, alle zusammen, an großen Tischen aus Granit, auf Bänken aus Granit, und der Padrone serviert Deftiges aus einem Pott, alle bekommen das gleiche gute günstige Essen und trinken Rotwein.

Immer wichtig: gutes Brot.

So rustikal und einfach sind die meisten Grotti nicht mehr. Der Tourismus ist einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige des Tessins und viele Grotti ähneln vom Angebot her eher Restaurants oder einer Trattoria.

Anders, aber nicht schlechter

Ein Muss im Grotto: Tische aus Granit.

Doch auch wenn sie sich dem Tourismus angepasst haben, so besitzt doch auch ein „touristisches“ Grotto Eigenheiten, die jeder Tessin-Besucher unbedingt erleben sollte:

Die Speisen sind immer noch eher einfach, deftig und machen satt. Meist sind die Grotti keine günstige Angelegenheit – aber das ist essen in der Schweiz generell nie.

Die Bänke und Tische sind oft noch immer aus Granit, der Außenbereich groß und Zentrum des Geschehens. Zum Essen gibt es Wein und – mit etwas Glück – super aufmerksame, freundliche Wirte.

Risotto mit Kräutern, ohne Firlefanz.

Bei unserem Besuch im Maggiatal, in Gordevio, hatten wir das Glück, gleich von mehreren Grotti entlang der Hauptstraße des Tals umgeben zu sein. Wir entschieden uns fürs Grotto Ca’Rossa, einfach weil es zu Fuß zu erreichen war und online gut bewertet wurde. Und die Bewertungen behielten Recht.

Das Grotto Ca‘ Rossa im Maggiatal

Das Essen war schlicht und schnörkellos, Tomaten mit Zwiebeln und Öl als Vorspeise, Risotto mit Kräutern und Gnocchi mit Pilzen. Dafür reichlich, mit super leckeren und schmeckbar frischen Zutaten und einem Wirt, der aufmerksam seine Gäste betreut – freundlich, dabei aber nicht aufdringlich.

Gnocchi mit Pilzen

Zum Nachtisch dann noch eine ausgezeichnete Käseplatte hinterher und Wein aus einem Boccalino, einem kleinen Steingutkrug mit Henkel. Und zur Rechnung gibt es einen Limoncello aufs Haus. Mehr italienische Schweiz geht fast nicht.

Höhlen-Restaurants

Der Name kommt übrigens tatsächlich von Grotten, also Höhlen. In Höhlen bewahrten die Leute Wein, Schinken und Käse auf, weil sie in dem kühlen Fels länger halten. Viele Leute machten diese Höhlen dann zu Orten der Gemeinschaft, wo sie aßen und tranken. Im Laufe der Zeit verlagerte sich das Zentrum der Geselligkeit eher ins Freie. Die Steintische und -bänke sind jedoch noch immer ein Muss!

Käse-Nachtisch mitsamt Boccalino. (Hier haben wir uns nach drinnen verkrümelt, weil einige Tropfen fielen. Wir Weicheier.)

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Schrat

Wanderschreiber

2 Kommentare

Karsten Seiferlin · 24. Juni 2018 um 11:57 am

Schöner Bericht!

Auf Watson.ch gab es schon 2 Listen mit empfehlenswerten Grotti, die man zu Rate ziehen kann:

https://www.watson.ch/schweiz/native/357867219-17-grotti-die-man-einmal-im-leben-besucht-haben-muss

https://www.watson.ch/spass/schweiz/787635019-15-grotti-die-man-einmal-im-leben-besucht-haben-muss-teil-ii

Übrigens, das, was die Tessiner und andere auch als „Granit“ bezeichnen, ist eigentlich ein Gneis. Der Mineralbestand ist in diesem Fall der Gleiche (Quarz Feldspat und Glimmer (Biotit im Tessin)). Der Untzerschied liegt in der rämlichen Anordnung: ein Grant ist ein Tiefengestein und ohne gerichteten Druck langsam erstarrt. Ein Gneis ist ein metamorphes, d.h. durch gerichteten Druck und Hitze, überprägtes Gestein, und zeigt eine deutliche Einregelung der Minerale (quasi eine Schichtung, oder eine Vorzugsebene, in der sich hier vor Allem die Glimmerpartikel einordnen). Gneis kann unter partialer Ausfschmelzung aus Sedimenten entstehen, oder, wie in diesem Fall, aus Granit, der eben nochmal unter Druck auf Linie gebürstet wurde. Diese Einregelung macht den Tessiner Gneis aka „Granit“ so gut spaltbar und als Tisch, Bank und Dach“ziegel“ verwenden. Aber das alles wissen nur Geologen, Mineralogen und Geowissenschaftler mit petrologischem Grundwissen. Der Laie nennt den tessiner Gneis durchweg „Granit“.

Pünktlich zur Urlaubszeit: Tipps im Tessin | #schratundfee · 18. Juli 2018 um 3:34 pm

[…] Wichtigste nach dem Wohnen. Oder doch sogar schon vorher? Dass ein Besuch im Tessin eigentlich nicht ohne Grotto-Mahl geht, haben wir schon […]

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