Mit welcher Hundeleine wandern gehen?

Veröffentlicht von Fee am

Wir sind am Eiger, weit unterhalb des Gipfels irgendwo im Wald. Mio läuft voraus, so gefällt es ihm am besten. Solange er nicht zieht, ist das okay. Aber plötzlich gibt es einen Ruck und der Hund starrt angespannt in den Wald, winselt, will irgendwohin, er hat ein Reh oder einen Hirsch entdeckt. Gut, dass er an der Leine ist.

Mio ist zwar ein Mischling, hat aber eine ordentliche Portion Jagdtrieb abbekommen, als sein Charakter zusammengewürfelt worden ist. Das ist manchmal schade und war zu Beginn, als wir ihn adoptierten, auch anstrengend. Aber im Grunde ist es kein Problem, es gibt nur eine, ganz wichtige Regel: Mio muss an die Leine.

Freilauf ist keine Option – der anderen Tiere zuliebe

Ja, wir hatten ihn auch schon im Freilauf, in gewohnter Umgebung sowieso,

Mio im Freilauf – und mit Kommandos am laufenden Band trotzdem nah bei mir.

mal am Lago Maggiore, einmal in den Bergen rund um den Großglockner. Da konnten wir nicht mehr, wir wollten nur noch ankommen, waren durstig und erschöpft, und Mio genauso. Er zog und war anstrengend, nicht mehr zu händeln unter den Umständen.

Glücklicherweise schien er den Ernst der Lage zu erkennen und machte sich nicht einmal auf die Suche nach anderen Tieren. Das klappt so aber meistens nicht. Irgendwann ist immer ein Duft von Wild in seiner Nase.

Wir mögen nicht nur Mio, sondern auch alle anderen Tiere. Stress für Murmeltiere, Steinböcke, Rehe oder Hasen oder was auch immer für ein Lebewesen – verursacht durch unseren Hund – ist absolut nicht okay. Also bleibt Mio an der Leine.

Weil wir ihm aber trotzdem so viel Freiraum wie möglich geben wollen, kommt er an eine Schleppleine. Die aktuelle hat fünf Meter und ist aus einem robusten Kunststoff, der sich nicht mit Wasser vollsaugt.

Leine am Boden? Konzentrieren wir uns halt

Ja, die Leine schleift mal auf dem Boden rum. Dann müssen wir kurz aufpassen, dass wir nicht drüber stolpern. Glücklicherweise können wir uns aber konzentrieren und haben das noch immer geschafft. Meistens hält Tim Mio oder macht die Leine an seinem Rucksack-Bauchgurt fest. Wenn Mio bei Fuß geht oder gehen soll, wird sie eben eingerollt, wenn nicht, lässt er sie lang.

Eine Flexi-Leine würde das doch von selbst machen! – diesen Satz höre und lese ich ab und an, leider noch viel zu häufig. Ich kann hingegen gar nicht oft genug sagen, wie wenig ich von den Dingern halte.

Mio, eingewickelt in seine Leine. Auswickeln bedeutet einen Aufwand von wenigen Sekunden.

Unpraktisch und gefährlich

Flexi-Leinen liegen nicht gut in der Hand, sind unpraktisch, um sie am Rucksack festzumachen. Doch nicht nur das, sie sind auch echt gefährlich: Das Verletzungsrisiko ist hoch, sowohl für den Hund als auch für den Menschen am anderen Ende.

Der Ruck, wenn der Hund in die Leine rennt, ist enorm. Erstmal ruckt es dann im Handteil der Flexi-Leine, danach erst geht der Arm mit. Das geht in die Schulter des Menschen und kann Hals und Kehlkopf des Hundes stark schädigen, beziehungsweise schwer verletzen. Bei einer statischen Leine ist das anders, der Ruck wird vom nicht-statischen Arm abgefedert.

Flexi-Leinen begünstigen das Ziehen

Zudem lernt der Hund nichts über den Raum, den er zur Verfügung hat. Dadurch, dass die Flexi-Leine nie gleich lang bleibt, wird der Hund erst recht zum Zieher. Mal ist sie so lang, mal so – woher soll er wissen, wo Stopp ist? Der Ruck am Ende ist für den Hund ohnehin sehr unangenehm, auch wenn er nur langsam in die Leine geht.

Mio mit Leine im Wasser

Außerdem ist die Flexi-Leine sehr unsicher. Wer so ein Ding hat, verlässt sich irgendwann auf den Stopp-Knopf. Der kann aber – und das gar nicht so selten – haken. Das passiert dann höchstwahrscheinlich genau im unpassendsten Moment, bei einem anderen Hund, bei anderen Menschen, die womöglich Angst vor Hunden haben, was auch immer. Kurz: Sie ist nicht verlässlich.

Mit Mio in Kontakt sein

Die Leine selbst anzufassen ist hingegen keine Option: Der dünne Strang kann üble Verbrennungen verursachen, wenn der Hund losrennt. Noch ein Argument gegen die Flexi-Leine: Fällt sie dem Hundebesitzer aus der Hand, kann das sensible oder ängstliche Hunde traumatisieren. Sie erschrecken sich, rennen davon, die Leine mit dem sperrigen, klapperndern Handteil immer hinter sich. Ein Horrorszenario für den Hund.

Alles nicht so cool, am schlimmsten finde ich aber einen anderen Punkt: Wenn Mio an einer Flexi-Leine wäre, wäre er sehr viel unabhängiger von dem, was ich tue, oder auch von dem, was Tim tut. Er könnte vor und zurück, hierhin und dorthin und ich müsste mich dafür nicht mehr interessieren. Hört sich super entspannt an, für mich bedeutet es aber, dass ich mich von meinem Hund entferne, ihn nur nebenher laufen lasse.

Mit Schleppleine müssen wir uns auch auf Mio konzentrieren – aber genau das wollen wir ja!

Never ever Flexi

Wir wollen aber aktiv mit Mio wandern. Er soll merken, wenn wir stehen bleiben, wissen, wann es weitergeht, die Erziehung hört da einerseits nicht auf, andererseits sind wir so mit ihm in Kontakt. Mit Tim rede ich und er mit mir, Mio teilen wir mit Körper- und Leinensprache viel mehr mit. Darum: Never ever Flexi-Leine.


 

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