Nieder mit den Steinmännchen!

Wer wandert, hat sie sicher schon am Wegesrand, an Flussufern oder Aussichtspunkten stehen sehen: kleine und große Figuren aus gestapelten Steinen. Diese Steinmännchen sind eine Plage, ein Eingriff in die Natur und sollten einfach sofort aufhören – mit einer Ausnahme.

So sollten Ausblicke aussehen. Ohne hässliche Steintürmchen.

Sie sind überall, meist nur knöchelhoch, manchmal übermannshoch und in großer Zahl: die Steinmännchen oder Steinmandl, Steindauben oder Cairns auf Englisch. Wobei sie im Englischen Steinhaufen auf Steingräbern oder riesige Gräber selbst bezeichnen.

Vielen Wanderern, Spaziergängern und sonstwie Draußen-Seienden scheint es ein Bedürfnis zu sein, der Nachwelt mitzuteilen, dass sie einen Ort besucht haben. Da genügt kein Foto, Nachkommende sollen direkt erblicken, was sie dort geschaffen haben: einen Haufen Steine, aufeinandergestapelt, eher mittelmäßig kunstfertig.

Die Steinmännchen sind ähnlich kreativ wie die Edding-Schmiererei mit „Ich war hier“ plus Datum oder das in die Rinde eines wehrlosen Baumes geritzte Herz mit den Initialen der Liebenden.

Das ist langweilig, unkreativ und nicht schön – denn mit unberührter Natur hat das nichts zu tun. Von einer „Banalisierung der Landschaft“ spricht der Umweltschützer Jaume Adrover von der mallorquinischen Umweltbewegung Terraferida.

Die miese Ästhetik ist nicht mal das Problem

Das hält Mio übrigens von Steinmännchen.

Doch es ist weitaus schlimmer als die Tatsache, dass diese Ansammlungen von Steinmännchen schlicht nicht schön sind. Sie sind ein schwerer Eingriff in die Natur. Ob in den Bergen oder am Strand – wenn Steine in so großem Umfang bewegt werden, kann das diese Ökosysteme schädigen.

Die Steine und alles darunter sind Lebensraum für Tiere, die Steine selbst befestigen den Boden, schützen Pflanzen und Wurzeln. Fehlen sie, verlieren Insekten Nahrung und verschwinden. Fehlen wiederum sie, fehlt Reptilien und Vögeln die Nahrungsquelle.

Tierschützer und Ranger in empfindlichen Ökosystemen sehen ganze Tierarten bedroht, im Zion-Nationalpark in den USA sprechen die Mitarbeiter von „Stein-Graffiti“, um das Ausmaß des Schadens zu betiteln.

Nicht nur die Natur ist gefährdet

Steinhäufchen-Bauer gefährden nicht nur die Natur, Pflanzen und Tiere, sie zerstören auch archäologische Denkmäler, etwa historische Steingräber, wie das Magazin GEO schreibt, indem sie Steine aus Mauern klauben.

Die Ausnahme:

In diesem Gelände wäre ein Steinmännchen verzeihbar, denke ich. Aber nötig ist es nur bedingt, die Wegmarkierungen sind deutlich erkennbar.

Es gibt eine Ausnahme, in der Steinmännchen in Ordnung sind: hoch im unwegsamen Gebirge, wo auch viel Geröll, viele Steine herumliegen. Seit je her dienen Steinmännchen dort Bergwanderern und Bergsteigern als Orientierung, oft an Bergpässen. 

Mehrere aufeinander gelegte Steine sind nie natürlich. Und so wissen nachkommende Wanderer, wo der Weg entlang führt. Daher sind sie in diesen Gebirgsgegenden gut, wenn nicht sogar notwendig.

Doch auch hier ist Vorsicht und Umsicht geboten: Nehmen die Steinmännchen Überhand oder werden von Wanderern aufgebaut, die selbst nicht ganz wegfest sind, wird ihr Sinn wieder ins Absurde verkehrt. Statt den Weg zu weisen führen sie in die Irre. 

Daher: Bitte baut keine Steinmännchen

Nirgends. Es sei denn, ihr markiert im unwegsamen Gebirge ganz sicher den sicheren Weg. Schaut euch um und baut gegebenenfalls umgekippte Steinmännchen wieder auf. Und haltet euch ansonsten an die allzeit und überall geltende Wander- und Outdoor-Regel: Nehmt nichts mit, lasst nichts zurück. Auch keine Steinmännchen.

8 Antworten auf „Nieder mit den Steinmännchen!“

  1. Gibt es sonst kein Thema zum Aufregen? Teilweise ziemlich an den Haaren herbeigezogene Argumente…
    Nein, ich baue keine Steinmännchen, doch erkenne ich nichts Schlimmes daran, wenn da mal hier und dort eines zu finden ist. Schlimmer sind da „verlorene“ Taschentücher oder ähnliches…
    Und die so hochgelobte „Unberührte Natur“ ist sowieso leider meist nur eine
    Illusion, wie zum Beispiel die Lüneburger Heide, deren Bewuchs auf menschlichen Eingriffen beruht. Oder jeder Wandersteig hat seine Geländer, Brücken und gehauenen Stufen.
    Darüber könnte man sich jetzt auch aufregen, zumal sie dauerhafter sind, als die ominösen Steinmännchen, welche häufig kaum mehrere Wochen überdauern, zumindest dort, wo viele Wanderer entlang gehen.

    Also bitte locker bleiben und mal nachdenken, ob das jetzt wirklich so eine Aufregung wert ist.

  2. Wenn wir schon dabei sind über den sinnlossesten Artikel der Welt zu lachen, sollten wir uns einmal über die in Plastiktüten Gefangenen Gummibärchen unterhalten. Ich finde wir sollten alle freilassen, was denkt ihr darüber?

  3. Ich bin mir nicht sicher, ob ich diesen Artikel für eine Verulke halten soll. Oder der Autor hat schlicht keine anderen Probleme …

    1. Liebe Ulla. Dieser Artikel ist vollkommen ernst gemeint und natürlich habe ich andere Probleme, sehe diese Steinmännchen-Epidemie durchaus als ein ernstes an. Bauen Sie gerne diese Gebilde? Dann tun Sie der Natur doch den Gefallen und bleiben ihr fern.

    1. Na ganz einfach: Steinmännchen im unwegsamen, gefährlichen Hochgebirge, wo sie wichtige Wege und Pässe markieren, diese gegebenenfalls aufbauen. Sonst der Natur und Ästhetik zuliebe bleiben lassen. 🙂

Kommentare sind geschlossen.