Was passiert, wenn wir immer erst spät loswandern

Veröffentlicht von Fee am

Wir machen das gar nicht mit Absicht. Aber wenn wir wandern gehen, dann kommen wir meistens erst ganz schön spät los. Das ist – mit guter Planung – auch gar nicht schlimm. Ganz im Gegenteil.

Wenn es morgens draußen noch kühl ist, das Licht dunstig über die ersten Hügel kriecht und sie in ein weißliches Gelb hüllt, finde ich das wunderschön. Ich liebe Morgende. Leider bin ich aber auch ein Nachtmensch.

Gerade im Urlaub finde ich kein Ende. Quatschend oder in die Sterne schauend könnte ich stundenlang da sitzen, vorm Zelt oder sonstwo, hauptsache draußen, hauptsache nicht rein gehen müssen, den schönen Tag noch nicht hergeben müssen. Ins Bett zu gehen bedeutet, dass das Ende des Urlaubs näher rückt.

Spät loszugehen heißt auch, die laue Abendsonne genießen zu können.

Natürlich rächt sich das am nächsten Tag. Ich verpasse das wunderbare Morgenlicht und die kühle Luft und schlafe erst mal lange. Denn für die nächste Tour brauche ich Kraft und auch ein Frühstück wär nicht schlecht. Bis Tim, Mio und ich dann mal so weit sind, wird es meistens zehn oder elf Uhr. Eine Zeit, zu der andere Wanderer schon Fotos am Gipfelkreuz schießen.

Komisch, wenn alle uns entgegen kommen

Wir stiefeln dann langsam los, mit dem Wissen, dass unsere Tour immer noch gut machbar sein wird. Und trotzdem ist das Gefühl komisch, wenn uns laufend andere Wanderer entgegen kommen. Manche waren vielleicht nicht ganz oben. Andere haben möglicherweise sogar den Sonnenaufgang vom Berg aus gesehen. Ich bewundere das sehr und nehme es mir für jeden Urlaub wieder vor.

Am vergangenen Wochenende sind wir wieder mal so spät losgekommen. Gegen zwölf Uhr erst begannen wir den Aufstieg nach Codera, nördlich des Comer Sees, in einem bezaubernden Tal gelegen. Ein Trailrunner kam uns auf den Treppenstufen entgegen, grüßte, und sagte, wir seien aber spät dran, hätten um acht aufstehen müssen, um nicht in der Hitze zu wandern, und, und, und.

Wir lachten nur, bedankten uns für den Tipp und gingen seelenruhig weiter. Wir hatten noch massig Zeit. In Codera kehrten wir ein und saßen ein aufziehendes Gewitter aus. Doch der größte Teil der Strecke, ein langes, ebenes Stück auf einer alten Erztrasse, geschmiegt an den Fels, gesichert von Stahlseilen, lag noch vor uns.

Einkehr in Codera

Dank der fantastischen Aussicht auf das Val Codera und kleinere Seitentäler, auf den immer wieder neu losfliegenden Versorgungsheli, auf kleine Bergdörfer und die nahen Seen di Mezzola, di Como und di Novate zog sich das Stück viel weniger als gedacht. Es war ein atemberaubender Weg.

Nach der letzten Biegung gabelte er sich und wir stiegen rechts hinab, durch einen lichten Wald aus Kastanien, Farn und Birken. Dann lag San Giorgio vor uns, das schönste Bergdorf, das ich je gesehen habe. Mit einer saftig grünen Wiese als Dorfplatz, ohne Touristen (außer uns, klar) und mit einem im sanften Abendlicht leise plätschernden Trinkwasserbrunnen.

Abstieg in der Abendsonne

Hier wollte ich zwar nie wieder weg, doch als wir das Dorf und einen kleinen Felsen in Richtung Abstieg umrundeten, entschädigte die goldene Abendsonne für den erzwungenen Aufbruch. Sie war warm und hell aber nicht mehr gleißend, strahlte über die Gipfel gegenüber und über den Lago di Mezzola.

Dieses Licht kriegt auf der Wanderung nur mit, wer spät losgeht oder sich bis in den Abend hinein Zeit lässt. Wir hatten unsere Ruhe und konnten das Schauspiel ganz ungestresst genießen. Der etwa einstündige Abstieg wurde so echt noch mal zu einem der Highlights der Tour.

Die Tour zum Nachwandern

Kleiner Hinweis zur Sicherheit

Dass die meisten Wanderer und allen voran Bergsteiger und Hochtourengeher so früh, teils noch vor Sonnenaufgang aufbrechen, hat natürlich einen Grund, der uns bewusst ist. Besonders im Sommer – der Hauptsaison für diese Sportarten – steigt mit voranschreitendem Nachmittag die Gewittergefahr in den Bergen. Gewitter sind gefährlich im Freien, besonders in den Bergen und ganz besonders auf Gipfeln, Graten und an freien Hängen. Daher gilt für diese ambitionierten Bergsportarten: Ab dem Mittag sollte es nur noch runtergehen.

Wenn wir also hoch hinaus wollen und exponiert an baumlosen Berghängen entlang wandern, dann brechen auch wir früh auf. Doch wollen wir meist halt nicht derart hoch hinaus, wir gehen es gemütlicher an, steigen nicht so hoch, laufen wenig an exponierten Hängen und – allen voran – studieren wir bei jeder Tour in den Bergen die Wettervorhersagen. Dennoch kann es geschehen, dass man von einem Gewitter überrascht wird. Was dann zu tun ist, steht hier

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2 Kommentare

Karsten Seiferlin · 23. August 2018 um 6:57 am

Superschöne Fotos, sieht echt toll aus, da…

Und spät wandern kann ein echtes Sicherheitsproblem werden, insbesondere wenn man im Schnee unterwegs ist, oder Gewitter aufziehen könnten. Aber das wisst ihr ja, denk ich.

    Fee · 23. August 2018 um 9:36 am

    Das war auch wirklich toll. Danke für die Tipps! Also, ein Gewitter hatten wir ja dabei – mittags – das war kein Problem. Gewitter sind auch früh möglich und je nach Weg gefährlich oder nicht so sehr. Und damit wir nicht im Dunkeln wandern müssen, planen wir immer schön im Voraus und schätzen dann ab, wie groß die Tour noch sein darf, ob wir einkehren können und sowas.

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