Gretchenfrage: Wie hast du’s mit dem Auf-den-Wegen-Bleiben?

„Erst abseits der Wege beginnt das Abenteuer!“ Mit solch einem Spruch warb kürzlich ein Alpin-Magazin dafür, die bestehenden Pfade zu verlassen, um Neues zu entdecken. Aber Leute – lasst das bitte bleiben.

Bleibt auf den Wegen. Nehmt all euren Müll mit. Nehmt nichts anderes mit außer Erinnerungen und Fotos. Das sind einfache Regeln für jede Aktivität in der Natur, sei es Wandern, Mountainbiking oder Trailrunning.

Diese Regeln wurden nicht zum Spaß aufgestellt oder um abenteuerlustige Menschen zu ärgern. Diese Regeln gelten, damit die Natur, die wir dabei besuchen, so gut es geht geschützt wird.

Denn schon unsere bloße Anwesenheit stört Tiere, nimmt ihnen kleine Stücke ihres eigentlichen Lebensraums, verändert ihre eigentlichen Verhaltensweisen. Unsere Wanderschuhe tragen Boden fort, zertreten keimende Pflänzchen. „Aber das macht doch kaum was aus, wenn ich da langlaufe!“, mag manch einer sagen. Aber:

Die Masse macht’s

Doch wenn jedes Jahr Zehntausende Wanderer über die populären Steige in den Alpen stiefeln, Erde forttragen, Wurzeln zertreten, Pflanzen zerdrücken – dann leidet die Natur.

Daher sollten wir uns unbedingt auf die bestehenden Wege beschränken und nicht noch mehr kaputtlatschen – sei es nun auf dem überlaufenen E5 nach Meran oder dem schmalen, einsamen Singletrail in den Julischen Alpen.

Sind durch die vielen Fußtritte die Pflanzen zerstört und liegt das Wurzelwerk offen, tragen Wind und Wetter den Boden noch viel schneller fort – und irgendwann wächst entlang der Wege in der einst schönsten Natur nichts mehr. Die Wege werden breiter und breiter, Tiere und Pflanzen ziehen sich mehr und mehr zurück.

Die angeblich so ausgetretenen Pfade zu verlassen verspricht das große Abenteuer. Vor allem ist es aber rücksichtslos.

Doch was ist mit Neuentdeckungen?

Das ist eine schwierige Grundsatzfrage, finde ich. Klar ist es spannend, wenn neue Gegenden erschlossen werden, neue Natur-Phänomene und -Spektakel fotografiert und dokumentiert werden. Unter diesem Gesichtspunkt ist es vielleicht okay, wenn einzelne Profis so umsichtig wie nur möglich die letzten noch nicht begehbaren Fleckchen Erde zu erkunden.

Doch wir, in der Masse der Outdoor- und Naturfreunde, wir sollten erwägen, uns einfach mit dem zu begnügen, was wir bereits haben. Und uns vor allem Mühe geben, das zu erhalten. Das allein scheint ja schon schwierig genug zu sein.

Keine Wege = keine Orientierung

Außerdem: Für Wanderanfänger birgt das Verlassen der Wege zudem die Gefahr, sich zu verlaufen und die Orientierung zu verlieren. Denn wo noch niemand war, da konnte auch noch niemand Wegweiser aufstellen.


Das Titelbild ist von Jens Herrndorff, veröffentlicht bei unsplash.com.

Wo sich die Touristen- und Wanderermassen durch die Natur schieben, da sieht man deutlich den Schaden, den wir dort anrichten.