Müssen wir anders reisen?

Wir lieben die Berge, die Wälder, die Natur. Wir stiefeln sie hinauf, durch sie hindurch. Davon machen wir Fotos, schreiben darüber und veröffentlichen all das im Internet. Damit sind wir Teil eines Problems, mit dem viele wunderbare Orte der Welt immer mehr zu kämpfen haben. Müssen wir anders reisen und Urlaub machen?

Das Problem beißt sich im Grunde selbst in den Schwanz: Naturliebhaber suchen und besuchen wunderschöne und oft einsame Orte in der Natur. In Blogs, auf Instagram und Facebook berichten sie davon, teils einem großen reisefreudigen Publikum. Die spektakulären Bilder verbreiten sich online, immer mehr Menschen wollen diese Orte selbst erleben – und tun es auch.

Einst idyllische Orte im Niemandsland werden von Touristenhorden überrannt, sie hinterlassen Müll, parken wild, zertrampeln Pflanzen und verjagen Tiere. Selbst wenn sich alle Reisenden so rücksichtsvoll wie möglich verhalten: Ihre Anwesenheit, ihre Anfahrt, ihr weiteres Verbreiten des Traum-Reiseziels schadet dem einst so still-schönen Ort. Anwohner sind überfordert, die Natur leidet.

Wir sind Teil des Problems

Wir sind mit diesem Blog und unserem Instagram-Feed Teil des Problems. Zumindest ein kleiner Teil, denn sooo viele Menschen verfolgen nicht, was wir hier und bei Instagram tun. Doch tun wir genau das, was wir als Freunde der Natur und Tierwelt eigentlich nicht wollen: Wir tragen zur Popularität von natürlichen Orten bei, die in Folge ihrer Popularität leiden und womöglich alles verlieren, was sie so schön und einzigartig gemacht hat. 

Zum Beispiel Spiegel Online hat darüber berichtet. In einem an sich gutem Bericht wird die Schuld hier jedoch der Plattform Instagram zugeschrieben. Was natürlich Blödsinn ist. Das Medium an sich hat nie schuld. Was damit gemacht wird, ist schuldig. In diesem Fall also all die Menschen, die sich aufmachen und diese Sehnsuchtsorte besuchen. 

Die Pont d’Arc – im September relativ leer. Doch die vielen Besucher hinterlassen deutliche Spuren 

Doch wie kann man es anders machen?

Seien wir ganz ehrlich: Auch wir wollen nicht darauf verzichten, die einsamen Bergseen zu besuchen. Auf die schönsten Aussichtspunkte zu steigen und die beeindruckenden Wasserfälle zu entdecken.

Wenn wir nicht verzichten, dann müssen wir zumindest dafür sorgen, so wenig Schaden wie möglich anzurichten. Wir versuchen uns daher an diese selbst auferlegten Richtlinien zu halten:

  • Grundregel – In der Natur wie auch in Dörfern und Städten gelten die ganz simplen Regeln: Nichts mitnehmen, nichts hinterlassen. Heißt: Wir nehmen keine Steine, keine Pflanzen, keinen Sand mit und hinterlassen keinen Müll, keine zertretenen Pflanzen. Weder auf dem Berg noch in der Stadt. Das sollte selbstverständlich sein. Und baut keine Steinmännchen, wenn sie nicht der wichtigen Orientierung dienen.
  • Umweltfreundliche Anreise. Dieser Punkt ist für uns immer etwas schwierig mit Mio, weil wir als Camper mit Hund einfach allermeistens mit der Dreckschleuder Auto unterwegs sind. Doch wir arbeiten an uns, wir wollen und werden häufiger Busse und Züge nutzen oder einfach dort unser Lager aufschlagen, von wo aus wir ohne weiteren Abgasdreck loswandern und entdecken können, etwa wie in den Pyrenäen. In den Tälern dort und auch anderswo geht das wunderbar.
  • Geld ausgeben! Nicht, dass wir das nicht ohnehin gerne täten. Aber all die vielen jungen sparsamen Reisenden, die an die traumhaften Orte der Welt reisen, ihr Instagram-Foto machen, ihr Butterbrot essen, aus ihrer ökologisch absolut sinnvollen Trinkflasche ihr Wasser trinken – von diesen Touristen haben die Orte und die Menschen vor Ort gar nichts.
    Gebt Geld aus! Geht essen, probiert regionale Köstlichkeiten, trinkt die Spezialitäten, kauft das neue Ausrüstungsstück, das ihr am Berg bei einem Mitwanderer gesehen habt, nicht erst daheim im Online-Shop, sondern im Tal-Ort. Auch wenn es zwei bis drei Euro teurer ist. Denn so können all die Menschen, die für die Infrastruktur und das Leben an all den Reisezielen sorgen, auch wirklich dort leben.

 

Nicht bloß Foto und weg: Gebt in den kleinen Orten und auf Berghütten Geld aus, lasst die Leute leben
  • Auf weite Wege verzichten. Reisen schadet der Umwelt. Je weiter wir reisen – mit dem Auto oder gar mit dem Flugzeug – , desto mehr schaden wir der Umwelt, ganz einfache Rechnung. Doch für beeindruckende, tolle Naturerlebnisse muss man nicht weit reisen. Das beginnt vor der eigenen Haustür und geht in den deutschen Mittelgebirgen weiter. Für spektakuläre Ausblicke muss man nicht nach Hawaii fliegen, die gibt es auch in der Sächsischen Schweiz. Deutschland ist voll davon, sagt auch Wander-Experte Manuel Andrack, den wir hier interviewt haben. Und auch die direkt umliegenden Länder sind wundervoll. 
  • Hauptreisezeiten vermeiden. 200 Menschen machen mehr Lärm und Dreck als 10. Wir versuchen, die Hauptreisezeit zu umgehen und früher oder später im Jahr zu verreisen. Das hat zudem den Vorteil, dass in der Nebensaison Unterkünfte und auch Restaurants meist günstiger sind. Und die Natur leidet weniger, weil die Menschen nicht so geballt auf sie treffen. Zwischendrin hat sie mehr Zeit zum Erholen.
  • Alternativen suchen. Unbedingt möchten wir noch die Alpen zu Fuß überqueren. Ein Klassiker wäre die Strecke auf dem E5 von Oberstdorf nach Meran. Eine wunderschöne, aussichts- und erlebnisreiche Strecke. Doch das ist wahrscheinlich auch die beliebteste und vollste Strecke. Daher werden wir uns eine Alternative suchen. Über die Alpen führen schließlich zahlreiche Fernwanderwege.

Was meint ihr?

Wie versucht ihr, möglichst ohne Schaden an Natur und Umwelt zu verreisen, zu entdecken? Beziehungsweise: Versucht ihr es? Oder machen wir uns damit eurer Meinung nach zu viele Gedanken?

Schreibt uns über das Formular oder per Mail an schrat@schratundfee.de!

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