9 Dinge, die du für die erste Bergwanderung wissen musst

Veröffentlicht von Schrat am

Wandern ist einfach: Man zieht sich Schuhe an, überlegt kurz, wo es hingehen soll, und fertig. Zumindest im Flachland oder Mittelgebirge. Wer sich auf eine alpine Wanderung begibt, sollte – muss – etwas mehr bedenken und wissen.

Die Gefahren auf Bergwanderungen sind größer als bei einer Wandertour durch den Schwarzwald. Ortschaften und Retter sind weiter entfernt, das Gelände ist weitläufiger, ein Absturz potenziell gefährlicher.

Die Bergwandersaison hat noch nicht recht wieder begonnen. Aber gerade weil noch etwas Zeit ist, ist nun der perfekte Zeitpunkt, um sich ernsthaft Gedanken um die erste Bergwanderung des Jahres zu machen.

Damit euch bei der ersten Bergwanderung nichts Schlimmes passiert, gibt es ein paar Dinge, die ihr wissen müsst oder einpacken solltet:

  • Bedenkt eure Fitness. Oben am Berg wird die Luft allmählich dünner, alles wird etwas anstrengender. Außerdem sind alpine Wege generell eher anstrengender als Wanderpfade im Sauerland. Achtet auf die Höhenmeter der Tour. Mit entsprechenden Metern in die Höhe können auch „kurze“ Touren von sieben bis acht Kilometern gefühlt sehr lang werden. Plant immer unterhalb eurer maximalen Leistungsgrenze. So habt ihr Reserven für Unvorhergesehenes.
    Außerdem solltet ihr trittsicher sein, schmale Wege, Abgründe, Steilhänge und loses Geröll gibt es nahezu überall in den Bergen. Dafür braucht es nicht erst eine krasse Gratwanderung.
  • Macht euch mit den Wegen vertraut und bleibt auf ihnen – zur sicheren Orientierung und für den Naturschutz. Nehmt eine Karte der Region mit und verlasst euch sicherheitshalber nicht allein auf ein GPS oder die Navigation über Smartphone-Apps.

Bedenkt das Wetter

  • Macht euch über das Wetter kundig, beachtet auch das Wetter der Vortage. Hat es viel geregnet? Dann sind mindestens die Hänge an den Nordseiten der Berge noch nass und rutschig. Bedenkt, dass das Wetter im Gebirge schnell umschlagen kann. Im Frühjahr kann zudem noch vielerorts Schnee liegen, auch in niedrigeren Bergregionen. An Hängen und in Senken, in die wenig oder gar keine Sonne fällt, bleibt Schnee bis zum Sommer liegen.
    Überquert solche Schneefelder nur mit allergrößter Vorsicht und nur wenn es nicht anders geht: Zieht Handschuhe an, hackt euch mit den Stiefeln Tritte in den Altschnee, sichert euren Stand mit Wanderstöcken und lauft leicht schräg hinauf auf dem kürzesten Weg. Wenn ihr mit Schneefeldern rechnet, packt einen Eispickel und Grödel oder sogar Steigeisen mit ein.
  • Das Bergwelten-Magazin hat in einem Video Sicherheitstipps für Schneefeldüberquerungen gesammelt:
  • Nehmt die richtige Kleidung mit. Das beginnt beim festen Trekking- oder sogar Bergschuh und geht weiter mit Regenjacke für Wetterumschwünge und Sonnenschutz für Haut und Augen. Gerade wenn drumherum Schnee liegt, ist es verdammt hell am Berg, weil die weißen Schneefelder die Sonne noch reflektieren. 
  • Nehmt euch Wegproviant mit, damit ihr fit und konzentriert bleibt. Packt euer Gepäck aber so leicht wie möglich. Denn mit einem leichten Rucksack wandert es sich stets entspannter.
  • Nehmt euch auch Pausen, um eben dieses Proviant zu essen. Legt immer wieder eine Rast ein, damit ihr entspannt und vor allem konzentriert bleibt. Viele Unfälle in den Bergen geschehen nicht im wilden Gelände, sondern aus Unachtsamkeit und mangelnder Konzentration auf den Wegen.
  • Nehmt Biwaksack und eine Lampe mit. Wir haben in den Bergen immer einen solchen Notfallsack und eine Stirnlampe dabei. Sollte es hart auf hart kommen und man muss etwa wegen einer Verletzung lange Zeit am Berg ausharren, kann solch ein Biwaksack lebensrettend sein. Im Grunde sind es aneinandergeschweißte Rettungsdecken, die die Person oder Personen darin vorm Auskühlen bewahren. Eine Lampe verhindert, dass ihr komplett im Dunkeln tappt.
Das ist die Traum-Kulisse, die Bergwanderungen versprechen.
  • Habt immer ein geladenes Handy dabei. Auf langen Touren schadet auch eine Lademöglichkeit wie eine Powerbank nicht. Merkt euch die Notrufnummern: Die 112 funktioniert als Notrufnummer in ganz Europa, dort verbindet man euch auch mit der Bergrettung.
    Darüber hinaus gibt es in den Alpenländern Notrufnummern für die Bergrettung selbst: Österreich – 140; Schweiz – 1414; Italien – 118; Frankreich – 15 und Liechtenstein – 117. All diese Nummern sind jeweils aus dem jeweiligen Inland erreichbar.
    In einigen Regionen gibt es auch Notfall-Apps, die im Ernstfall Kontaktdaten und Position an die Bergretter übermitteln, zum Beispiel für Tirol: Notfall Tirol App
  • Kennt das alpine Notsignal. Wenn all das oben genannte nicht reicht, ihr aber Hilfe braucht, könnt ihr auch mit Rufen, Klopfen, Pfeifen, Licht- oder Blinksignalen auf euch aufmerksam machen. Dabei gilt: Pro Minute wird das Signal sechs Mal wiederholt, dann eine Minute Pause. Dann wieder sechs Wiederholungen – und eine Minute Pause. 
    Die Antwort darauf sind drei Wiederholungen des Signals pro Minute, jeweils mit einer Minute Pause dazwischen. 
    Wenn ihr ein solches Notsignal seht oder hört, antwortet und alarmiert den Rettungsdienst. 
    Ist man in Not und Retter kommen in Sichtweite, sollte man ihnen zu Verstehen geben, dass man Hilfe braucht und die gesuchte Person ist: Dafür signalisiert man ihnen ein Y, indem man sich hinstellt und beide Arme in die Luft streckt. Wie das Y in Yes – We need help. Oder: Ja, hier landen! 
    Wird man von Bergrettern gesehen, braucht aber keine Hilfe, kann man ihnen ebenfalls signalisieren, dass man nicht die gesuchte Person ist. Dafür streckt man einen Arm schräg hinauf in die Luft, den anderen schräg in Richtung Boden, wie den mittleren Strich in einem N – für „Nein, wir brauchen keine Hilfe“.

Wandern in den Bergen ist großartig. Doch von der Fülle an Bergbildern auf Instagram, mit entspannten Menschen an Felskanten und dergleichen dürfen wir uns nicht täuschen lassen: Wanderungen in alpinen Höhen bergen Gefahren, derer man sich im Vorfeld bewusst sein muss. Und auf die man sich vorbereiten kann.


Der Deutsche Alpenverein bietet eine Menge Informationen rund um das Wandern, Sicherheit in den Bergen und auch für Notfälle am Berg.


Noch Fragen? Dann schreibt uns an info@schratundfee.de oder über das Kontaktformular. Wir helfen so gut wir können weiter – oder finden heraus, wer weiterhelfen kann.

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