Die richtige Kleidung fürs richtig schlechte Wetter

„Gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“ – heißt es, wenn es auf Wanderungen regnet. Das ist zwar großer Quatsch, aber gute Regenkleidung kann das Leben unterwegs sehr viel angenehmer machen. Seit kurzem habe ich eine anständige Regen-Combo, die ich euch hier vorstelle.

Endlich habe ich mir eine Regenjacke zugelegt, die den Namen auch wirklich verdient. Zuvor habe ich mich immer mit günstigen Jäckchen durchgeschlagen. Bei einem Schauer am Sonntagnachmittag macht das nichts. Bei ausdauerndem Gieskannenregen geben solche vorgeblichen Schnäppchen aber dann doch schnell den Geist auf. Oder man entwickelt schnell seine persönliche Sauna, weil die Atmungsaktivität des Materials eher ein Werbe-Gag ist. Meistens trifft beides zu.

Daher habe ich einmal investiert und mir eine Jacke von Arcteryx geholt, das Modell Beta SL Hybrid. Warum diese? Sie erfüllt folgende Kriterien:

  • Es gibt sie vor Ort beim Händler des Vertrauens, dem Basislager in Karlsruhe.
  • Dort war sie eine von drei möglichen Jacken nach einem eingehenden Beratungsgespräch mit einem Verkäufer des Vertrauens.
  • Es gibt sie in schwarz, nicht nur in Neonfarben. Denn sie soll mich nicht nur im Gebirge trocken halten, sondern auch im Alltag.
  • Sie ist leicht, lässt sich klein packen und sitzt gut am Körper.
  • Das Material ist atmungsaktiv und wasserabweisend – und zwar dauerhaft, nicht nur dank einer einmal aufgetragenen starken Imprägnierung.
  • Sie hat an den Schultern verstärktes Material, was ihre Haltbarkeit erhöht, wenn jemand vorhat ausgiebige Touren mit Gepäck zu laufen.
  • Die Marke Arcteryx war außerdem eine Empfehlung eines guten Freundes.

So eine Jacke eines namhaften Bergsportausrüsters hat natürlich ihren Preis. 380 Euro hat sie gekostet, bezahlt habe ich dank einer Rabattaktion und mit Gutscheinen am Kauftag dann weniger. Allerdings musste ich immer noch darauf hin sparen.

Wenn man beim Trekking an solch einem Tag eine 20 Kilometer lange Wanderung vor sich hat, braucht's eine gute Regenjacke.
Wer beim Trekking an solch einem Tag eine 20 Kilometer lange Wanderung vor sich hat, braucht’s eine gute Regenjacke.

Was nix kost‘, taugt nix

Immerhin trocken bin ich unter der Jacke.
Immerhin trocken bin ich unter der Jacke.

Sagen Omas und Opas gern. Und in Sachen Regenkleidung muss ich ihnen zustimmen. Haltbare Funktionstextilien, Gore-Tex-Membranen, saubere und haltbare Verarbeitung – das gibt es nicht für ’nen Appel und ’n Ei. Wer dazu noch auf verantwortungsvolle Produktion für Mensch und Umwelt achtet, zahlt noch etwas drauf.

Aber eine Jacke wie die besagte kaufe ich schließlich auch nicht nur für eine Saison, bis die Mode wieder vorbei ist. Mit entsprechender Pflege und gegebenenfalls Reparaturen kann ich diese Jacke über viele Jahre hinweg tragen, sei es beim verregneten Einkauf in der Stadt oder auf einem Grat in den Alpen.

Beim Schreiben bekomme ich gerade das Gefühl, dass der Eindruck entstehen könnte, dieser Text sei eine Rechtfertigung für diesen teuren Einkauf, zudem noch für ein Produkt aus Kunststoff, einem Erdölprodukt. Aber das ist nicht meine Motivation. Denn ich denke, wenn ich schon Geld für eine Kunststoffjacke ausgebe, dann so viel, dass es sich erstens tatsächlich lohnt und ihr bekommt, was ihr sucht. Und zweitens, dass ihr so schnell nicht wieder eine kaufen müsst. Denn in Sachen Umweltschutz und Ressourcenschonung ist die beste Jacke immer noch die, die wir gar nicht erst kaufen müssen.

Das Problem mit den Beinen

Eingangs habe ich von einer Regen-Combo geschrieben. Dass ich so eine brauche, habe ich nach dem ersten dicken Regenschauer erfahren. Denn mein Oberkörper blieb wunderbar warm und trocken – während all der Regen an der Jacke hinab auf meine Hose lief und meine Beine binnen Minuten durchnässte.

Wenn die Unterbuchs‘ nass wird, hört der Spaß auf

Die neue Regen-Combo im Einsatz.
Die neue Regen-Combo im Einsatz.

Nasse Hosenbeine finde ich noch erträglich, aber wenn sogar die Unterwäsche durchnässt wird, habe ich keine Lust mehr und will nach Hause. Also musste eine Lösung für die Beine her. Eine Regenhose kommt nicht in Frage. So eine liegt seit Jahren in einer Kiste rum. Zu umständlich beim Anziehen, zu unbequem, zu schwitzig darunter. Also fiel meine Wahl auf den Regenrock von Ultraelements.

Günstig ist auch der in der Anschaffung nicht (rund 120 Euro), doch ich gehe davon aus, dass das Teil mir viele Jahre gute Dienste leisten wird. Anstelle sich umständlich in eine Hose zu zwängen, wird dieser Regenrock wie ein Wickelrock einfach um die Hüfte geschlungen, mit einem Klettstreifen und einem Bändle geschlossen und fertig. Das geht binnen Sekunden und ohne den Rucksack abzusetzen oder gar die Schuhe auszuziehen.

Dabei ist das Material fest und wertig, hält den Hintern auch trocken bei einer Rast auf dem regennassen Baumstamm. Verpackt ist der Rock so klein und leicht, dass er in der Jackentasche kaum auffällt. Und es funktioniert. Gleich auf meiner ersten Trekkingtour in der Pfalz wurden Jacke wie auch Rock auf die Probe gestellt, als es den gesamten zweiten Tag regnete. Noch nie war es so angenehm trocken bei so einem Mistwetter, dabei aber luftig im Klima unter dem Regenschutz.

Was andere Hersteller so empfehlen

Da unser Überblick auf diesem riesigen Markt begrenzt ist, haben wir kurzerhand Hersteller von Outdoor-Kleidung gefragt, was sie Einsteigern und Fortgeschrittenen aus ihrem aktuellen Sortiment empfehlen würden. Leider war die Resonanz sehr gering. Was die Leute bei Vaude und Mountain Equipment allerdings für Wanderer ohne Extrem-Anspruch und für Einsteiger empfehlen, möchten wir euch nicht vorenthalten:

Vaude

Benedikt Tröster vom deutschen Outdoor- und Sportartikel-Hersteller Vaude empfiehlt gleich zwei Regenjacken, die – am Standard der Preise für solche Produkte – verhältnismäßig günstig sind. Beide Modelle, namentlich Kofel LW Jacket II und Simony 2,5L Jacket III kosten 200 Euro. Persönliche Erfahrungen habe ich bislang leider keine mit Vaude-Produkten, ich hatte sie aber schon oft in den Händen. Im Vergleich zu anderen Herstellern sind sie oft etwas günstiger, wenn man nicht die High-End-Modelle haben möchte, in denen man ohne Probleme den Mont Blanc besteigen kann. Außerdem sehen sie meist ziemlich gut aus – was für Freizeit- und Hobby-Outdoor-Fans auch ein wichtiger Punkt ist. Was nutzt die dollste Jacke, wenn man sie nur alle paar Wochen auf Tour mal anzieht, weil sie schäbig-knallorange ist?

Vaude selbst ist mir in der Vergangenheit immer wieder positiv aufgefallen, weil das Unternehmen – eigenen Angaben nach – sehr viel dafür tut, möglichst nachhaltig zu produzieren, etwa mit Textilien aus Holzfasern, und zu transportieren. Der Outdoorhersteller veröffentlicht seine Bemühungen auch in einem öffentlichen Nachhaltigkeitsbericht.

Aus Kundensicht gefällt mir im Onlineshop sehr gut, dass die Suche sich über diverse Filter individuell einstellen lässt, hier ein Beispiel für Trekking- und Wanderjacken, die wasserdicht und maximal 220 Euro kosten sollen. Außerdem führt das Basislager – also mein Händler des Vertrauens – diesen Hersteller. Für mich ist das immer schon ein gutes Qualitätsmerkmal, da die Fachleute dort auch nur verkaufen, wovon sie wirklich was halten.

Mountain Equipment

Anke Schneider von Mountain Equipment empfiehlt für Wanderungen ohne schweres Gepäck gleich zwei Modelle des Bergsport-Ausrüsters: Einmal die Jacke Garwhal für knapp 200 und das Modell Gandiva für 270 Euro. Sollte das Gepäck schwerer werden als für eine leichte Wanderung empfiehlt sie das Modell Lhotse Atmo, das dann aber auch mit rund 420 Euro zu Buche schlägt.

Wie auch bei Vaude kann ich nicht von eigenen Erfahrungen mit Produkten von Mountain Equipment dienen. Bei meiner Suche nach einer passenden Jacke hatte ich aber auch eine von diesem Hersteller in der Hand und sie machte einen soliden Eindruck.

Eigenen Angaben nach produziert Mountain Equipment die Gore-Tex-Produkte zudem in Ungarn, also innerhalb der EU. Das sorgt für kürzere Transportwege und beim Käufer Gewissheit über bessere Arbeitsbedingungen als etwa in südostasiatischen Sweatshops. Wie inzwischen immer mehr Outdoor-Hersteller hat auch Mountain Equipment Nachhaltigkeits- und Recycling-Programme, in diesem Fall vor allem rund um Daunen. Wer mehr dazu wissen möchte, findet Details im Katalog auch online.

Nicht-Werbe-Hinweis

Für diesen Artikel haben wir keine Zuwendungen, Zahlungen oder Ähnliches von genannten Unternehmen erhalten. Auch nicht von nicht genannten Unternehmen. Alle Angaben zu Produkten entspringen eigener Erfahrung und alle Empfehlungen sind mit bestem Wissen und Gewissen gemacht.

Was ist eure Ausrüstungsempfehlung fürs schlechte Wetter? Schreibt uns doch!