Hilfe, die Berge sind voll!

In der Todeszone am Mount Everest stehen die Bergsteiger Schlange und kippen tot um. Am Mont Blanc beschränkt die Regierung inzwischen den Zugang. Und auch auf den Alpenbergen steht man sich selbst in der Nebensaison hier und da gegenseitig auf den Füßen. Doch was können wir tun, solange wir selbst Teil dieses Problems sind?

Von Sherpas veröffentlichte Bilder des Grauens machten in den vergangenen Tagen die Runde durch die Presse: Lange Schlangen vor dem Gipfel des Mount Everest, geduldig wartende Bergsteiger, die auf ihren Moment auf dem Gipfel warten. Eine schlimme Vorstellung.

Doch wer will es ihnen verdenken? Sie haben sich monate-, wenn nicht jahrelang darauf vorbereitet, haben sich den Weg hinauf über Tausende Höhenmeter erkämpft. Eine Besteigung des höchsten Berges der Welt kostet Zehntausende Euro. Umkehren, weil es voll ist? Keine Chance.

Diese Schlangen und Wartezeiten sind ziemlich problematisch. In den vergangenen Wochen sind elf Bergsteiger am Mount Everest gestorben. Manch ein Profi geht davon aus, dass die Unglücksfälle mit den langen Wartezeiten zu tun haben. Schließlich harren die Bergsteiger dort oben in der Todeszone aus, jenseits der 8.000 Höhenmeter. Schon ohne Extra-Anstrengung durch Bewegung kämpft der Körper dort ums Überleben. Ein Gebiet, in dem sich eigentlich niemand auch nur eine Sekunde länger als nötig aufhalten sollte.

Nur mit Reservierung auf den Mont Blanc

Weniger tödlich für die Menschen aber für die Natur geht es am Mont Blanc zu. Die französischen Behörden wollen den Massenandrang eindämmen. Daher ist es künftig nur noch mit einer vorherigen Reservierung auf einer der Hütten möglich, zum Gipfel des höchsten Alpenberges zu steigen.

Denn die Herbergen auf dem mindestens zweitägigen Weg rauf sind ständig überbelegt. „Alle Versuche, das Problem im Guten zu lösen, seien gescheitert“, erklärt der Präfekt des Departements Haute-Savoie, Pierre Lambert. In einigen Fällen seien Hüttenwarte sogar massiv körperlich bedroht worden, berichtet tagesschau.de. Damit auch niemand auf die Idee kommt, einfach wild zu zelten, weisen die Behörden auf die Strafen hin: Bis zu zwei Jahre Haft und 30.000 Euro Geldstrafe drohen beim Wildcamping im Naturschutzgebiet am Mont Blanc.

Auch in der Nebensaison hieß es auf dem Pilatus hier und da: Schlange stehen.
Auch in der Nebensaison hieß es auf dem Pilatus hier und da: Schlange stehen.

Wir als Teil des Problems

Uns stimmen diese Nachrichten sehr nachdenklich. Denn auch wenn wir uns nicht in diese extremen Regionen vorwagen und auch keine Bergsteiger sind, so doch auch als Bergwanderer Teil des Problems: Zunehmend mehr Menschen zieht es länger, höher, weiter in die Natur, sei sie nun wild oder gut erschlossen wie am Vierwaldstättersee. Uns ja auch.

Mitte Mai, noch in der Nebensaison für diesen Teil der Schweiz, war es am Pilatus ziemlich eng auf manchen Wegen. Und auch auf der Rigi war schon einiges los – trotz schwierigen Wetters vor und nach unserem Besuch, Schneefeldern ab 1.500 Metern Höhe und vielem weiteren, das Bergbesucher eigentlich noch im Tal hält. Mehr zu unserem letzten Besuch am Vierwaldstättersee lest ihr hier.

Aber wer will es anderen Menschen verübeln, sich an diese wunderschönen, beeindruckenden, atemberaubenden Orte zu begeben? Wir – und sicher viele, die ihr dies hier lest – gehören selbst dazu, wollen nicht auf Bergpanorama und die Abkühlung im Gebirgsbach verzichten.

Was können wir also tun?

Ein paar Gedanken dazu habe ich vor einigen Wochen bereits aufgeschrieben, nachlesen könnt ihr es hier. Nur: Abschließende, befriedigende Antworten habe ich auch da nicht gefunden. Ich denke, wir können uns nur bemühen, so rücksichtsvoll, aufmerksam und gut zu der Natur, der Umwelt, den menschlichen wie tierischen Bewohnern unserer Urlaubsziele zu sein, wie es uns nur möglich ist.

Was denkt ihr?

Wir haben keine echten Antworten gefunden. Schreibt uns doch, über das Kontaktformular, an die E-Mailadresse schrat@schratundfee.de oder als Kommentar hier unter dem Artikel. Wir sind gespannt auf eure Gedanken dazu.

Das Titelbild stammt von Mathias Jensen via unsplash.com.

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