Zwischen Sauerlandwald, Altstadt und Autobahn – der Ruhrhöhenweg

Wandern – für die meisten bedeutet das Ruhe, Einsamkeit, grüne Natur fernab der Zivilisation. Auf dem Ruhrhöhenweg im Sauerland gibt’s all das garniert mit Autobahnrauschen und Gewerbegebiet. Warum sich der Weg aber trotzdem lohnt.

Machen wir uns keine Illusionen: Wer in der Nähe von Städten eine gut mit Auto und Zug erreichbare Tour wandern will, der muss halt Straßen, Städte mit allem was dazu gehört in Kauf nehmen.

Die Ruhr bei Freienohl
Die Ruhr bei Freienohl

Der Ruhrhöhenweg ist so eine Tour. Über 240 Kilometer führt er von der Quelle der Ruhr durch Sauerland und Ruhrgebiet bis nach Duisburg, wo sie in den Rhein mündet. Dominik, mein bester Freund, und ich werden ihn von Anfang bis Ende begehen. Nachdem wir vor drei Jahren begonnen haben und die ersten Etappen von Winterberg bis Meschede gelaufen sind, haben wir es nun geschafft, endlich weiter auf diesem Weg zu laufen. Von Freienohl bis Menden, dem Tor zum Sauerland, wollten wir. Ganz so weit kam es dann aber leider nicht.

Der Weg an sich ist schlicht schön, gut beschildert mit einem großen weißen X auf schwarzem Grund und einem kleinen R darunter. Er führt durch dunkle Tannenwälder, weite Felder, lichte Buchenwälder – und ja, auch entlang von mancher Ortschaft samt Gewerbegebiet und bei Arnsberg ein Stückchen entlang der A46. Doch wer wie wir im Ruhrgebiet aufgewachsen ist, nimmt das Rauschen einer Autobahn als vertraute Heimatkulisse wahr.

Wirklich praktisch an diesem Weg ist, dass er eben nicht durch die entlegene Natur führt, sondern entlang eines Flusses, der nicht nur namensgebend für das dahinter folgende Ruhrgebiet ist, sondern auch viel zur Grundlage des Wohlstands und des Wachstums der Region getan hat. Daher gibt es viele Orte, viele Bahnhöfe und die Möglichkeit, mit dem Zug einfach zum Startpunkt zu fahren. Und wer sich für die Geschichte solcher Regionen interessiert, ist auf diesem Weg besonders gut aufgehoben. Überall finden sich Zeugnisse vergangenen Glanzes, Zeugen der sehr langen Wandertradition im Sauerland und den Aufschwung durch den Tourismus in der Region.

Probleme kündigen sich früh an

Über viele Brücken muss man beim Ruhrhöhenweg nicht gehen. Da er auf den Höhen verläuft, verliert man immer wieder den Fluss auch komplett aus dem Blick.
Über viele Brücken muss man beim Ruhrhöhenweg nicht gehen. Da er auf den Höhen verläuft, verliert man immer wieder den Fluss auch komplett aus dem Blick.

Die erste Tagesetappe von Freienohl (zwischen Meschede und diesem Örtchen müssen wir ein Stück Weg aus logistischen Gründen auslassen) hat einige Höhenmeter und den ersten Anstieg direkt hinterm Bahnhof. Danach führt der Weg überwiegend durch Wälder und Felder mitsamt Bächen, die Mio gern zur Abkühlung mitnimmt. Doch schon am Abend zeichnet sich ab, dass Dominik trotz etwas Vorbereitung mit dieser Wanderung zu kämpfen haben wird. Denn mit dem ungewohnten Gewicht des Rucksacks auf dem Rücken, gepaart mit wohl etwas zu ollen ausgelatschten Wanderschuhen und etwas zu wenig Training, melden sich bei ihm die Knochen mit Schmerzen.

Wie es sich für Sommertage gehört, zog am Abend Gewitter über Arnsberg auf.
Wie es sich für Sommertage gehört, zog am Abend Gewitter über Arnsberg auf.

Am zweiten Tag, von Arnsberg nach Neheim, werden die Schmerzen vor allem in seinen Knöcheln nicht besser. Hinzu kommt, dass entlang des Weges kein einziger Biergarten zu finden ist! In der Getränke-Scheune, einem Hofladen mitsamt Getränkemarkt und Metzgerei, helfen uns aber nette Menschen mit einem kühlenden Bier weiter. Und der grummelige Opa des Hofs, brummig dreinschauender Ur-Sauerländer, schenkt uns hausgemachte Mettwürste mitsamt Brötchen.

Der Weg an sich ist abwechslungsreich, Felder folgen auf Wälder folgen auf Weiher folgen auf Siedlung folgen auf Wälder. Wenn auch manche Teilstücke nicht im klassischen Sinne mit schöner Natur aufwarten – eintönig wird der Weg nie.

In Neheim verarzte ich erstmal meine Füße – dazu bald mehr hier im Blog – und Dominik muss seine Knöchel ausruhen. Doch trotz der ausgedehnten Ruhephase am Vortag fällen wir am nächsten Morgen die Entscheidung nicht weiterzugehen. Es schmerzt ihn zu sehr und wir wollen nicht riskieren, dass wirklich was kaputt geht.

Also beschränkt sich unsere Wanderung auf die knapp vier Kilometer zum nächsten Bahnhof. Dabei marschieren wir ein Stückchen über den Ruhrtalradweg. Und als wir uns so langsam vom Sauerland verabschieden, mit Blick auf die renaturierte Ruhr, nehmen wir uns trotz akuter Schmerzen vor, den Rest des Weges schon bald weiterzugehen. Und zwar nicht erst wieder in drei Jahren.

Immer wieder kreuzen der Ruhrhöhenweg und der Ruhrtalradweg sich. Teilweise verlaufen sie auch parallel.
Immer wieder kreuzen der Ruhrhöhenweg und der Ruhrtalradweg sich. Teilweise verlaufen sie auch parallel.

Schlafen und Essen entlang der Route

In Arnsberg sind wir auch mit Mio sehr freundlich im Landsberger Hof aufgenommen worden. Das Zimmer war groß, fair bepreist mit rund 90 Euro fürs Doppelzimmer plus Hundezuschlag, sehr sauber und mit einem riesigen Fernseher inklusive Sky und Netflix ausgestattet. Was mega ist. Denn mal ehrlich, Natur hin oder her – vom Tag total fertig bei einem Bier noch rumhängen und eine Folge Brooklyn 99 beim Quatschen im Hintergrund laufen lassen, auch das ist nach einem Tag draußen schön. Restaurants gibt es reichlich, wir waren im benachbarten „Auffe Maua“, einem Kartoffelrestaurant. Dort gibt’s Bratkartoffeln und Reibeplätzchen, Kartoffeln finden sich dort aber selbst noch im Brot.

In Neheim, einem äußeren Stadtteil von Arnsberg, waren wir im wirklich sehr süßen Hotel PeMü. Das Hotel hat im Hof einen kleinen Flachbau mit vier Zimmern, von denen eines uns gehörte. Das Zimmer war etwas düster, weil es vor dem Fenster so grün war. Das hatte was von Tropenhaus, gemütlich und sauber war es auf jeden Fall. Preislich war es dem Hotel in Arnsberg ähnlich. Gut essen lässt sich dort im Casa Villani.

Mehr Infos rund um den Ruhrhöhenweg hat NRW-Tourismus parat.

Die Touren

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