Herbstwandern in Graubünden – Teil 1

Im September in den Alpen zu sein, kann aufregend sein. Der erste Kälteeinbruch kündigt sich an, Nebelwände und Schneefall sind nichts Ungewöhnliches. Wir haben in Graubünden so grade die Kurve gekriegt.

Dichte Nebelschwaden empfangen uns kurz vorm Ziel. Als wir hinter Chur von der Autobahn abfahren und uns in Richtung Flims die Berge hochschlängeln, versinkt das Tal in den Wolken. Abgefahren. Uns war vorher nicht klar gewesen, wie hoch unser Zielort Laax schon liegt (auf 1.050 Metern nämlich).

Alpenseen in der Schweiz: Erst Caumasee…

An unserem Hotel-Appartmentkomplex-Resortding – wir wissen nicht genau, was es eigentlich war – laden wir schnell aus und gehen eine Runde laufen. Wir wollen noch einen der beiden Seen in der Nähe aufsuchen. Cauma- und Crestasee hatten wir auf Insta gesehen und waren so auf Flims als Urlaubsziel gekommen.

Wir rennen durch wunderschönen Herbstwald. Es ist genau dieser kurze Zeitpunkt im Jahr, wenn die Bäume noch voller Blätter hängen und der Waldboden schon nach Laub und Pilzen duftet. Mio wittert Tiere, Wildschweine und Rehe vermutlich. Mich würde hier auch ein Bär nicht überraschen. Es ist magisch.

Zu Hause gibt’s Yoga und vorher gekauften Schweizer Syrah – eine Spezialität des Wallis, dem wichtigsten Weinanbaugebiet der Schweiz. Aber nicht zu viel, denn am nächsten Tag wollen wir richtig wandern.

Wir starten unsere Tour direkt am Apartment. Wenn wir schon mit dem Auto hergekommen sind, wollen wir wenigstens nachhaltig Abenteuer erleben. Das geht zu Fuß am besten. Und die Rheinschlucht liegt sowieso in der Nähe.

…dann Conn und Crestasee

Erst mal geht’s ziemlich weit bergab Richtung Rhein. Meine Knie melden sich schon bald. Also erst mal Pause, mit Blick auf den Felsbruch am Fluss, auf einer typischen Alpenweide. Wir haben Glück, heute scheint die Sonne.

Klar ist, was wir gerade runter gelaufen sind, gehen wir jetzt auch wieder hoch. Die nächste Etappe soll uns hoch über die Rheinschlucht bringen. Wir kraxeln über Wurzeln und Steine, unter einem Felsvorsprung her und schauen dann auf den glitzrigtürkisen Rhein, der hier noch so ganz, ganz anders aussieht als zu Hause. Nature is awesome.

Nach gehobener Einkehr im Restaurant Conn und einem kleinen Nickerchen für Mio latschen wir erst mal zur Aussichtsplattform. Dieses Gitter hochzusteigen finde ich jetzt nicht ganz so geil, der Blick auf die Schlucht entschädigt aber.

Der Heimweg kommt mir zäh und lang vor. Gut, dass wir noch am Crestasee vorbei laufen und hier ins Wasser springen können. Thanks to Nebensaison kostet das Liegen auf dem Gras auch nichts mehr. Und ich sammle, wie schon den ganzen Tag über, auch hier Müll ein, das rechtfertigt unseren Besuch wohl dreimal.

Mit dem Bus von Flims zurück nach Laax

In Flims habe ich kein Bock mehr und wir nehmen den Bus – Postauto genannt – zurück nach Laax. Wir sparen uns mindestens drei Kilometer, der Busfahrer ist super lieb und Mio braucht seinen Maulkorb nicht aufzusetzen. Dafür, dass wir auf eine Fahrt hoch in die Berge wegen zu großer Anstrengung verzichtet hatten, war dieser Tag ganz schön krass. Zu Hause will ich nur noch ins Bett. Von den Bergen und einem halben Meter Neuschnee erzählen wir dann in Teil zwei!

2 Antworten auf „Herbstwandern in Graubünden – Teil 1“

  1. Man kriegt direkt Lust, selbst da rumzurennen… Zwei Bemerkungen:

    1. Der Postbus heisst bei uns Postauto (formell und korrekt) oder einfach Poschi.

    2. Das Wallis ist zwar ein extrem spannendes Weinbaugebiet mit vielen autochtonen Sorten (Heida, Cornalin, Humagne Rouge, Humagne Blanc, Petite Arvine) und vielen Sorten, die es auch anderswo gibt (Syrah, Merlot, Pint Noir, Gamay, Marsanne, Johannisberg (ein Sylvaner, wenn ich mich nicht irre), etc.) Aber das Wallis ist bei weitem nicht das einzige Weinanbaugebiet. Andere sind: Graubünden, Zürich, Thurgau, Schaffhausen, Tessin, Bern (Bieler See, Thuner See), Neuchâtel, Fribourg, die Waadt, Jura, Genf… wahrscheinlich hab ich noch weitere vergessen. Es gibt also viel zu entdecken und zu er-trinken. 😉

    1. Haben den Namen des Busses geändert und aus dem Weinanbaugebiet das „wichtigste“ (aus wirtschaftlicher Sicht) gemacht – was da ohnehin hatte stehen sollen. Danke!

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